Wladiwostok Reisebericht

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text: Tjark Metzner, April 2010, Basel

Wladiwostok Reisbericht: Am Ende der Welt

Am Morgen des 7. Januar 2008 kamen wir mit dem Fermjeny „Okean“ pünktlich in Wladiwostok an. Bevor wir den Bahnhof erreichten, nahm der Zug in der Morgen-dämmerung eine Kurve nach der anderen entlang der Amurbucht. Der Agglomerationsraum baut sich aus unzähligen Plattenbauten auf und erinnerte uns an die sozialistisch gestaltete Stadt Novosibirsk. Wir ahnten schon, dass wir an jenem Tag das orthodoxe Weihnachts-fest in einer typischen Satellitenstadt feiern würden. Doch angekommen am Ende der Transsibirischen Eisenbahn sind wir froh, die 9.288 km von Moskau hinter uns gelassen zu haben und an jenem so wichtigen geopolitischen Ort angekommen zu sein. Primorje ist eine der rohstoffreichsten Oblaste der russischen Föderation, und ist eine der wichtigsten Oblaste. Die politisch widerspenstige Oblast besitzt viel Wald und Erdöl, genauso wie die Nachbarinsel Sachalin. Mit den Häfen Wladiwostok und Nachodka bildet Primorje ein wirtschaftliches Drehkreuz welches von der Transsibirischen Eisenbahn gespeist wird. Handel indes besteht kaum zum Nachbarn Japan, da es noch politische Verwerfungen bezüglich der Zugehörigkeit der Kurilen zwischen den beiden Anrainern gibt. Zu China wurden im Jahr 2008 die letzten Grenzstreitigkeiten am Amurfluss beigelegt und der Grenzhandel nach Nordkorea über eine einsame Brücke nach Tumangan ist nicht nennenswert.

So machten wir uns auf, um „das Ende der Welt“ zu erkunden.


Unser Tipp: das Studio Café

Zum Frühstück zog es uns ins trendige „Studio Café“ in der Svetlanskaya 16/18. Hier könnten wir bei bestem petit déjeuner die letzten Partygäste aus der vergangenen Nacht erleben. Der 24/7 betriebene hot spot zieht jeden Tag modebewusste Trendsetter aus dem Fernen Osten an.


Zuerst ging es an den Kai der Pazifikflotte und in das U-Boot Museum. Anschließend erstürmten wir die Aussichtsplattform „Adlernest“ Wladiwostoks mit Hilfe einer Standseilbahn. Von dort aus hatten wir einen tollen Ausblick auf das „Goldene Horn“. Danach ging es in die Altstadt und auf die Einkaufsmeile. Dannach gingen wir zum Tower der Oblast Verwaltung und dann zum people watching in das von ‚Kunst & Albers’ erbaute Kaufhaus GUM. In der obersten Etage befand sich der amerikanisierte food court. Nach einem Snack stürzten wir uns wieder in die Massen auf dem Vorplatz. Aufgrund der zunehmenden Dämmerung holten wir unsere Sachen an der Gepäckaufbewahrung ab und stiegen in den Bus zu unserem home stay ein. Nie war es so leicht den richtigen Bus zu finden, wie in den doch recht gut beschilderten koreanischen Bussen. Solche Busse, mit reichlich Schnick-Schnack, haben wir dann auch später auf unserer Korea-Reise öfter benutzt. Insbesondere die markanten LCD-Displays waren eine nie gesehene Revolution im russischen ÖPNV.

Unsere Unterkunft hat Martin frühzeitig von der örtlichen Tourismusbehörde vermittelt bekommen.

Als wir der Satellitenstadt unweit des Heizkraftwerks ankamen, versuchten wir bei unseren Gastgeberinnen zu schellen. Doch diese waren so aufgeregt, dass sie unsere verzweifelten Klingelversuche überhörten. Doch nach mehreren Minuten hatten sie uns bemerkt und herein gebeten. Sie verwöhnten uns mit einem russischen Weihnachtsfestmahl. Gut gesättigt versuchten wir noch am späteren Abend vergeblich in das Wladiwostoker Nachtleben einzutauchen. Denn an der Bushaltestelle kam einfach kein Bus. Nach einer Stunde gaben wir das warten wie viele andere Wartende auf und nutzten ein Taxi. Doch die richtigen coolen locations konnten wir nicht finden. So ruhten wir uns lieber aus, um den nächsten Tag zu genießen.


Nach einem leckeren Frühstück ging es mit dem koreanischen Bus wieder in die Innenstadt. Als erstes fuhren wir bis zur Südspitze der Landzunge, auf der Wladiwostok liegt. Von dort aus hatten wir eine fantastische Sicht auf das natürliche Hafenbecken und die vorgelagerten unbewohnten Inseln auf denen man sogar -laut unserer Gastgeberin- Sibirische Tiger antreffen kann.

Einprägsam ist das Bild der unzähligen, aus Japan stammenden, Autos. Im Fernen Osten Russland fahren fast alle Russen Autos aus japanischer Produktion, erkennbar am rechts montierten Steuerrad.

Für uns ging es nun zum Strand und dem zugefrorenen Teil der Bucht. Einige Passantinnen waren so mutig und trauten sich mit High Heels auf das Eis. Ferner gingen wir zum wunderschön gelegenen Fußballstadion und einem in der Nähe liegenden Koreanischen Restaurant. Wir fühlten uns bestens umsorgt bei unserem Mittagessen. So gab es doch zu europäischen Preisen für uns zuerst Kimchi und dann ein Mittagsmenü. Wir bezahlten um die 12 Euro pro Person. Nicht nur die hölzerne Einrichtung war gemütlich auch die Bedienung war sehr freundlich. Wirklich zu empfehlen (dort haben wir Blut für unsere Koreareise geleckt)!

Anschließend besichtigten wir das Ozeanische Aquarium (Okeanarium). Der doch happige Eintrittspreis von 5 Euro pro Person lohnt sich überhaupt nicht. Ganz zu schweigen von dem Delphinarium in der Nähe, welches wir aus Bedenken zum Tierschutz nur von Weitem beobachteten. Wir raten von beiden Besuchen dringend ab!

Für uns ging es dann noch durch die Stadt und die verschiedenen Stadtviertel. Im Fernen Osten, in Wladiwostok hatten wir dennoch nicht das Gefühl fast 10.000 Kilometer von zu Hause entfernt zu sein. Bis nach Nordkorea sind es 50 Kilometer und Japan liegt nur wenige 100 Kilometer entfernt. Doch die Menschen leben ein europäisiertes Leben. Man sieht kaum Chinesen oder Koreaner. Nur die Landschaft und die Zeitverschiebung von neun Stunden erinnert uns daran nicht nur am Schwarzen Meer zu sein. Einen Aufenthalt am Ende der Welt, in Wladiwostok ist ein Muss!


Fähre

Wladiwostok ist auch Hub für Reisen nach Japan und Südkorea. Es gibt jede Woche zwei Fähren nach Donghae in Südkorea. Die neue Verbindung wird mit der Eastern Dream vom Passagierhafen direkt gegenüber dem Bahnhof  bedient. Fahrpläne und die Buchung gibt es hier:

http://www.dbsferry.com/02_ticket/ticket03.asp


Die Fähre fährt auch noch weiter nach Sakaiminato, Japan:

http://www.monkeyshrine.com/places/vladivostok/ferry.php

Ein weiterer Anbieter mit veralteten Fahrplänen bietet Fährverbindungen:

http://www.bisintour.com/

Auf Grund des Handelskontakts zu den nahen und bommenden Staaten Japan und Südkorea sind die Fahrpreise nicht ganz günstig. Aber die Fähre bildet eine Alternative zum Flugzeug.


Flug:

Nordkorea: Donnerstags besteht sogar eine Flug-verbindung mit einer Iljuschin 18 nach Pjöngjang FNJ

Südkorea: Vladivostok Air und Korean Air bieten umsteigefreie Verbindungen an. Das Star Alliance Mitglied Asiana fliegt ab Chabarovsk. Oder man nutzt eine Verbindung über Peking.


Fortsetzung: Wladiwostok-Krasnojarsk Reisebericht