Krasnojarsk Reisebericht

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Krasnojarsk Reisebericht


Krasnojarsk liegt wunderschön zwischen Hügeln und direkt am gigantischen Fluss Jenissej. Im Norden schließt die Sibirische Tiefebene an den Ort an. Schon auf der Hinfahrt hatten wir bei Tageslicht die Gelegenheit aus dem Firmenyzug Rossija die Fahrt über die große Jennisejbrücke zu genießen. An jenem Tag war das Wetter noch ganz klar, denn es waren nur -20°C. Doch auf der Rückfahrt schlengelte sich der Zug durch die Hügel immer weiter nach unten in das Jennisei-Tal. Unser Zug hatte bei -40°C schon eine Stunde Verspätung. Im Zug hatten wir dafür immerhin genug Zeit, um uns auf die Kälte vorzubereiten. Zusätzlich tüftelten wir einen Plan aus, was wir alles machen wollten.


Doch gegen 12.00 Uhr hieß es erstmal aussteigen und das Gepäck im Bahnhof verstauen. Die riesige Bahnhofshalle ist besonders sehenswert. Nach einer Rundumschau machten wir uns in die Innenstadt auf. Wir bestiegen einen Bus, mit dem wir zum Busbahnhof wollten, um dann nach Divinigorsk, dem berühmten Staudamm des Jenissej, zu fahren. Doch wir fuhren zwanzig Minuten mit dem Bus irgendwo hin, jeder versicherte uns, dass wir richtig sind. Doch wir trauten unseren russisch Kenntnissen nicht mehr. Und zu allem Überfluss bekam Tjark - im wahrsten Sinne des Wortes - kalte Füße. Nach einer kurzen Aufwärmaktion im lokalen Supermarkt, widmeten wir uns wieder den touristischen Highlights im Agglomerationsraum Krasnojarsk. So schauten wir uns als erstes die kleine Kapelle auf dem Berg an. Natürlich hatten uns mal wieder streunende Hunde angefallen. Diese Kapelle ist nicht nur auf einem der Rubelscheine abgebildet, sondern von dort aus hat man auch einen tollen Blick über die ganze Stadt.


Bei den krassen Temperaturen dampfte der Jennisej unglaublich und hüllte die gesamte Stadt in einen Nebel. Wir stiegen wieder vom Berg und liefen durch die Stadt bis zur Kommunalen Brücke. Diese Brücke erhielt auf der Weltausstellung 1901 neben dem Eiffelturm in Paris die Goldene Medaille. Heute ziert auch sie einen Rubelschein. Angekommen an der Brücke konnten wir nicht besonders viel erkennen, denn der Jennisej dampfte anaufhörlich stark.


Direkt an der Brücke befindet sich das Naturkundemuseum, welches sich in einem einer ägyptischen Tempelanlage nachempfundenen Gebäude befindet. Die Ausstellung ist durchaus interessant und wertig. Insbesondere das originale Mammut und eine Ausstellung über die Ureinwohner Krasnojarsker Oblast. Parallelen zu den Indianern in Amerika können wir nicht abstreiten. Ein weiterer positiver Effekt des Museums ist die Aufwärmfunktion. Nachdem wir davon profitiert hatten, brauchten wir schnellen Schrittes nur noch fünf Minuten bis zum nahe gelegenen Einkaufszentrum.


Das besondere Highlight des Stadtbesuchs war die Besichtigung des Leninboots inklusive kommunistisch-passionierter Schiffsführung. Der uralte Tourguide scheint auf dem Boot auf dem Lenin einst ins Exil ging zu leben, deshalb konnte er unser Klopfen an den Rumpf des Schiffes zu später und dunkler Abendstunde erwidern. Das in der Nachbearbeitung aufgehellte Bild vom legendären Schiff kann man in der Gallerie rechts finden. Der spektakuläre Bau direkt nebenan, der eigentlich eine Art Lenin-Weltausstellung werden sollte, konnte bis heute nicht mit Gegenständen über den großen kommunistischen Denker gefüllt werden. Heute dient er als Kulturzentrum und zur endgültigen Umsetzung fehlt neben dem finanziellen, wahrscheinlich auch der politische Wille.


Wir peilten dann die Haupteinkaufsstraße Krasnojarsks – den Prospekt Mira an. Hier wollten wir den Abend bis zur Abfahrt unseres Zuges ausklingen lassen. Wir flanierten bei schönster Weihnachtsmusik bis wir dann ein Restaurant mit dem Motto ‚Ukraine’ fanden. Das Essen war lecker und das Bier sehr gut. Wir verloren etwas die Zeit aus dem Auge und rannten dann am Abend des 12. Januar 2008 zum Zug 55NJ, Firmenzug ‚Jenissej’, mit Abfahrt um 22.26 Uhr. Die nächsten Tage verbrachten wir in diesem Zug bis zur Ankunft am 15. Januar 2008 um 6.30 Uhr in Moskau Jaroslawler Bahnhof. Die Fahrt genossen wir förmlich in vollen Zügen. So waren seit zwei Wochen und direkt nach Weihnachten mal wieder alle Plätze im Zug belegt mit Fahrgästen. Wir entspannten und genossen die schönen sibirischen Sonnenuntergänge. Auf den Bahnhöfen kauften wir wie immer leckeres Essen von den Babuschkas. Die letzte Strecke von Nischny Novgorod legt man auf einer Art Hochgeschwindigkeitsstrecke zurück. Diese Strecke ist viel schneller als die alte Strecke über Jaroslawel, die wir auf der Hinfahrt benutzten. Wir wachten nach der letzten ruhigen Nachtfahrt auf und erreichten den Bahnhof 15 Minuten zu früh.



Fortsetung: Krasnojarsk - Moskau Reisebericht

text: tjark METZNER, nürnberg märz 2010

        martin HESSE, lyon märz 2010