Jekaterinburg Reisebericht: SverdLOVEsk

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Jekaterinburg Reisebericht - Екатеринбург

26. bis 27. Dezember 2007


Pünktlich um 21:25 Uhr Ortszeit am 26. Dezember erreichten wir Sverdlovsk. Eigentlich heißt diese Stadt schon seit gut 20 Jahren Jekaterinburg aber die RZD sah es bis heute noch nicht ein den Bahnhof umzubenennen. Da wir nicht lange nach einem Hotel suchen wollten, gingen wir sofort zum gegenüber liegenden Hotel welches natürlich „Sverdlovsk“ hieß. Das Hotel erfüllte die Standards die man mit dem Wort Sowjethotel verbindet - ja - es erfüllte fast alle Klischees. Das Hotel war ziemlich leer, aber wir hatten trotzdem ein Zimmer ganz am Ende des Ganges bekommen. Die Betten waren okay, aber bei dem „Badezimmer“ kamen uns einige Zweifel. Selbst das Abkochen des Leitungswassers hätte nicht zu einer signifikanten Qualitätssteigerung geführt.

Die Preise waren okay (um 60 US$ auf Verhandlungsbasis). Nach dem Einchecken sind wir sofort in die Stadt aufgebrochen. Wir hatten ein paar tolle Bars entdeckt und direkt am zentral gelegenen See kehrten wir in ein selbsternanntes Café ein. Es war ziemlich voll und die laute Musik wummerte auf uns ein. Wir konnten uns kaum unterhalten. Daran muss man sich in Russland erst gewöhnen. Hiesige Cafés werden Ihre Erfahrungen mit Kaffeestuben in Wien oder Salzburg nicht decken können. Vielleicht ist dies der Grund, warum so viele Russen in unsere Voralpenregionen pilgern. Weiter ging es in der Nacht durch Jekaterinburg, zweifellos eine der allerbesten Adressen im ganzen Land.


Am nächsten Morgen konnten wir unseren schönen Ausblick auf das Bahnhofsgebäude genießen. Auf dem Besichtigungsplan standen: Das Oblastverwaltungs-gebäude, die Bauarbeiten an den Eiskulpturen, der Künstlermarkt, Einkaufszentren und die Zaren-Gedächtniskirche.


Jetzt sind wir endlich in Asien! Wir sind praktisch schon in der 

sibirischen Ebene, aber wo waren die kalten Temperaturen Ende Dezember? 

Nur jämmerliche -15°C waren es in Jekaterinburg. Aber für die 

Eisskulpturen vor dem Oblastverwaltungsgebäude hat es noch gereicht.


Nach der langen Besichtigungstour finden wir uns am Ende des Tages in den Kellergewölben eines Restaurants wieder. Von außen weist uns ein überlebensgroßes Plastikschwein den Weg. Erst als wir die Karte bekommen hatten, konnten wir feststellen in welcher Art von Restaurant wir uns wiedergefunden 

hatten – ein Restaurant mit deutschen Spezialitäten.

Wir waren sowohl von den Spezialitäten, als auch von den Preisen überrascht. Die Speisekarte führte Gerichte, die wir selbst in Deutschland noch nie auf einer Speisekarte gesehen hatten. Die Preise waren exorbitant hoch für russische Verhältnisse, dennoch war es gut besucht.

Wir bestellten als erstes ein Bier. Die Kneipen, die außerhalb von München Spatenbier ausschenken, kann ich an einer Hand abzählen. Aber wir bekamen rund 3500 Kilometer östlich von München tatsächlich Spatenbier vom Fass in echten Spatenbiergläsern gereicht (vermutlich Lizenzbier?)! Der absolute Hammer, zu absoluten Hammerpreisen – 210 Rubel (damals sechs Euro, heute weniger als fünf) der Humpen. Dazu gab es typische gebratene tschechische Schwarzbrotsticks in einem Krusoviceglas.

Martin hatte sich für das Gericht „Kartoffel Augsburg“ entschieden. Ich nahm mit einer typisch deutschen Käsesuppe vorlieb.

Man gönnt sich ja sonst nichts. Wir haben die Speisen genossen, sie haben ja auch ganz gut geschmeckt! Nicht zuletzt, dass wir genau vor sieben Tagen München verlassen hatten.

Die 24 Stunden in Jekaterinburg waren schnell rum, wir gingen zum Bahnhof. Die Anzeigetafel zeigte zwar unseren Zug an, aber das Gleis wurde nicht angezeigt – komisch! 21:48 Uhr Ortszeit war die Planabfahrt des Zuges 80Y angedacht. Doch um 21:45 wurde kein Gleis angezeigt. Es gab keine Lautsprecher-durchsagen oder weitere Infos. Hatten wir was verpasst? Die Informationspolitik bei der RZD lässt noch etwas zu wünschen übrig. Dann nach 20 Minuten wurden alle wichtigen Infos angezeigt und ein Strom von Menschen setzte sich in Bewegung.

Am Gleis angekommen fuhr der Zug mit 30 Minuten Verspätung auch ein. Trotz fehlender Wagenstandsanzieger (das ist man 

ja von der viel geschundenen Deutschen Bahn gewohnt) fanden wir schnell unseren Wagen. Die Provodniza (Schlafwagen-begleiterin; weibl. von Provodnik) ließ uns in den Wagen. Für diese Nacht hatten wir ein Abteil mit Alexander (sprach auch ganz gut Englisch) und einer Frau.


Shopping in Sverdlovsk / Jekaterinburg:


FASHION

unbedingt den SverdLOVEsk Merch kaufen – die T-Shirts sind KULT! Mit diesem einmaligen und einfallsreichen Wortspiel erobern die Modeartikel die Herzen aller Art Directors.


MUSIC

die neue CD/DVD von Tschaif (auch Tschajf), jene aus der Nähe von Jekaterinburg stammende Rock/Popband Tschaif mischt Jahr für Jahr die russischen Charts auf. Mit eingängigen Melodien und tiefgründigen Texten (die selbst die Russen nicht verstehen) können sie ganze Stadien füllen. Die Songpalette reicht von Party- und Karaokesongs bis hin zur lauschigen 

Popbalade. Spätestens beim Titel Orangewoje Nastrajenije (orangefarbene Stimmung) kann jeder Sverdlovsker mitsingen. Bei den extravaganten Texten würden selbst Antonie Keed von den Red Hot Chili Peppers neidisch werden – ja ja! Die Gruppe besteht vornehmlich aus älteren Herrschaften und die Kombo erinnert einen Deutschen eher an eine Mischung zwischen den Prinzen und den Ärzten.


ALKOHOLIKA

sehr gut sortierte Spirituosenläden säumen die Boulevards – unbedingt Russky Standart Platinum kaufen (oder alternierend am Flughafen)


RESTAURANTS

Wenn man auf der Transsib unterwegs ist, möchte man mindestens an einem Abend mal richtig gut Essen gehen. Das Restaurant CCCP (SSSR) bietet das treffliche historische Ambiente und befindet sich direkt neben der Oper von 

Jekaterinburg.



Fortsetzung Omsk Reisebericht


text: tjark METZNER, basel juni 2009