Baikalsee Reisebericht (Listwijanka/Listvyanka)

HOME   |   FRANKREICH   |   KAUKASUS   |   IRAN   |   RUSSLAND   |   KOREA   |   CONTACT

 

Baikal (Bajkal) / Baikalsee Reisebericht

Listvyanka / Listwijanka Reisebericht


Ich habe mich lange gescheut, den Teil über den Baikal zu beenden. Denn man kann niemals einen so guten Reisebericht schreiben, dass dieser Reisebericht der Region Baikal gerecht wird.


Die Anreise zum größten Naturhighlight unserer Reise war sehr lang. Angekommen am Silvestermorgen – ausgestiegen aus dem 2MJ Rossija Fermeny in Irkutsk. Wir fuhren dann direkt mit einem kleinen Bus zum Busbahnhof. Es war so gegen 6 Uhr. Auf der kleinen „Irkutskrundfahrt“ waren wir mit vier weiteren Touristen unterwegs. Am Busbahnhof mussten wir dann zwei Stunden auf unseren Anschlussbus nach Listwijanka warten. Wir harrten bei -20 Grad aus und wärmten uns zwischendurch am Imbiss eines nahe gelegenen Supermarkts auf. Vorsicht sollte man walten lassen, da direkt am Busbahnhof einige Taxen warten und die Touristen für 20 Euro pro Person befördern wollen, was wir aber dankend ablehnten.


Alsbald ging es mit dem Bus los. Zwar war es im Bus nicht wärmer als draußen, aber irgendwie war es angenehm. Wir waren die einzigen Touristen im gut gefüllten Bus. Vorbei ging es am Flughafen und dann bergauf und bergab, die Straße war fast schnurgerade und ausgebaut zu einer richtigen Schnellstraße. Nach gut 60 Minuten Fahrt und einem herrlichen Sonnenaufgang, kamen wir am Nebelverhangenen Angara Fluss an. Das Wasser war im Gegensatz zur Umgebungsluft so warm, dass es am Abfluss des Baikalsees richtig dampfte. Nach ein paar Kurven mit dem Bus, blinzelte die Sonne über dem Baikal und wir erreichten das Touristeninformationshäusschen bei bester Morgensonne. Das ganze Umfeld war am 31. Dezember 2007 in weiß getaucht – überall Schnee. Nach kurzer Orientierungsphase sattelten wir unsere Rucksäcke auf und wir gingen zum Baikalchalêt. Dort hatten  wir zwei Übernachtungen samt Silvesterparty gebucht. Hier in dieser Einsamkeit, wollten wir uns nicht dem Zufall überlassen und hatten ausnahmsweise die Buchung schon in Deutschland getätigt.


Nach herzlichem Empfang bezogen wir unsere Zimmer und stiegen wieder hinab ins Dorfzentrum. Dort gab es gleich einige interessante Naturerscheinungen zu betrachten, wie zum Beispiel unendliche Eiszapfen an den Begrenzungsseilen. Außerdem hörte man ein melodisches Rauschen vom tiefsten und größten See der Welt. Richtung Norden geblickt, sah man nur noch den Horizont über dem Wasser.


Wir konnten es kaum glauben, dass wir hier in der Einöde, Mitten in Russland sind. In wenigen Stunden sollte dann auch der Beginn für eine achttägige Feier – novi god – das Neujahrsfest sein.


Am Silvesterabend mischten wir uns unter die Feier einiger internationaler Gäste im Baikalchalêt. Das Feuerwerk war beeindruckend, da es ein richtiges Battle zwischen den Familien in Sachen fulminantestes Feuerwerk gab. Nachdem sich das Feuerwerk gelegt hatte, machten wir uns zum Partyzentrum auf. Am Hafen legte regelmäßig die ‚Partytschtunke’ (ein kleines Boot mit Lichterketten) an. Der Dorfhauptplatz war mit einer schönen jolka (Weihnachtsbaum) und einer Eisrutschbahn ausstaffiert. Viele Russen feierten bis spät in die Nacht mit Wodka und inklusive dem Rauschen des Sees.


Am 1. Januar 2008 unternahmen wir eine Neujahrswanderung am Seeufer entlang. Doch vorher besuchten wir die Anlegestelle am Hafen und kauften uns frisch geräucherten Omul. Mh, wirklich lecker! Wenn doch der Omul nicht so stinken würde... Auch dieser Tag war wie aus dem Bilderbuch: Glasklares Wetter, Sonne und Temperatur bei circa -10 Grad waren mehr als erträglich. Insbesondere bei dem kontinentalen Klima, kommt einem das Wetter wärmer als 3°C bei uns vor. Wir stampften dann gut gerüstet am Steilufer entlang. Der Pfad schlängelte sich am Hang immer weiter. Stundenlang hatten wir die Sonne direkt am Ufer genossen. So reine Atemluft und das blaue, klare Wasser waren atemberaubend. Die Sonne des Jahres 2008 spiegelte sich auf den kleinen Wellen des Sees. Doch langsam wurde es spät und wir traten den Rückweg an. Wir hatten es leider nicht geschafft, entlang des Baikalsees das nächste Dorf nördlich von Listwijanka zu erreichen. Wir kürzten den Rückweg über die Berge ab und erreichten nach einer endlosen Wanderung durch dicken Wald die Spitze eines Berges und somit auch eine Wetterstation. Die durch einen mehr oder weniger freilaufenden Hund eher zu meidende Observationsstation offeriert einen traumhaften Ausblick. Leicht erschöpft von der Wanderung fanden wir uns bei den letzten Sonnenlicht noch in unserer Unterkunft ein doch vorher hatten wir uns obligatorisch mal wieder mit Omul eingedeckt. Diesen doch sehr geruchsintensiven Fisch verspeisten wir dann in unserer Unterkunft und konnten diese Spezialität mit anderen Produkten aus dem Produktuy verfeinern.


Fortsetzung: Taltsi Reisebericht



text: tjark METZNER, nürnberg märz 2010