Reisebericht:
Istanbul - Tabriz und Kandovan

Unsere Beiträge zum Thema Türkei:


  1. -Türkei Reisebericht (2006)

  2. -Istanbul-Tabriz Reisebericht (2009)

  3. -Istanbul Reisebericht (2011)

  4. -Marmaray Verkehrsprojekt (2011)

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von ISTANBUL nach IRAN im Bus


Wir haben uns wegen der günstigen Preise entschieden, von Frankfurt nach Istanbul am 23. Dezember 2008 zu fliegen. Im Terminal 1 A haben wir festgestellt, dass zur gleichen Zeit auch ein Lufthansa Flieger nach Teheran existiert. Direkt am Schalter bietet uns Lufthansa - auf Grund der Preiskannibalisierung - den Flug für „nur“  2.400 Euro an. Da der Preis uns zu hoch erscheint, ziehen wir es vor die Anreise wie geplant mit THY (Turkish Airlines) zu gestalten. Abflug am 23. Dezember 2008; 18.00 Uhr von Frankfurt nach Istanbul. Gegen 22.00 Uhr kamen wir in Istanbul Atatürk Airport an und versuchten noch mal unser Glück um direkt mit dem Flugzeug nach Teheran zu gelangen, in dem wir versuchten ein „Standby“-Ticket von Turkish Airlines nach Teheran zu erwerben. Da dieser Verbindung ein Sammel-Flug ist, wartet THY auf alle Anschlüsse aus dem Westen und sollte 23:30 Uhr starten. Wir wurden dann wie bei Asterix und Obelix im Irrenhaus von Schalter zu Schalter geschickt und keiner konnte uns weiterhelfen. Am letzten Check-In Schalter wurde uns dann der Flug für 280 Euro pro Person angeboten. Das war der billigste Preis, den Turkish Airlines auf dieser Linie anbietet. Auch Iran Air bietet diesen Preis an. Wir hatten uns entschlossen, trotzdem die extrem preiswerte Busanreise durchzuführen. Wir fuhren mit der Hafif-Metro (eine Art S-Bahn) vom Flughafen bis zum Endhalt Aksaray in der Stadt. Direkt am Platz Aksaray gab es auch viele Hotels und wir entschieden uns für das „berühmte“ Hotel City. Am nächsten Tag sind wir gleich los um uns die Tickets fuhr den Bus zu kaufen. Direkt in der Nähe, in der Straße Ordu Cd. sind die Büros der Busanbieter nach Teheran (Ordu Cd. Kreuzung zu Atatürk Blv.). Gleich im erstbesten Reisebüro kauften wir sofort unsere Tickets für den gleichen Tag (24. Dezember 2008) für 30 US $ pro Person. Man sollte bedenken, dass man bei vorheriger Bestellung der Tickets im Reisebüro für die einfache Fahrt zwischen 60 und 80 Euro zahlt. Wir legten trotz schlechten Wechselkurses 25 Euro auf den Tisch. Um 13:30 Uhr waren wir wieder pünktlich am Reisebüro und wurden dann mit einem Minibus ca. 1 km bis zur Haltestelle des Busses gefahren (im gleichen Stadtteil, die Busse fahren in der Regel bei den Reisebüros ab und nicht am Busbahnhof Otogar Esenler). Zwar hatte der Reisebüroagent uns versprochen, dass es ein Bus der Busgesellschaft  Seir o Safar ist, es war aber dennoch ein Bus von der iranischen Fluggesellschaft Aseman Tours. Für den billigen Preis war es okay und wir bestiegen den Bus nach Teheran, Abfahrt 14:00 Uhr.


Einige Reiseführer, zum Beispiel Lonely Planet, hatten geschrieben, dass man im Winter wegen Schneetreiben mehrere Stunden zusätzlich auf den Weg in den Iran braucht. Natürlich begann das Schneetreiben zwei Stunden nach Abfahrt in Istanbul und es entwickelte sich zu einem Schneesturm! Auf der Autobahn lag so viel Schnee, dass die Fahrt ein jähes Ende nahm. Kurz vor einem Pass standen wir auf der Autobahn und versuchten es allen Verkehrsteilnehmern gleich zu tun – wir wendeten. Das Vorhaben misslang und der Bus rutschte in den Graben. Nach dreißig Minuten hatte es der Busfahrer mit Hilfe der Reisegäste geschafft den Graben zu verlassen. Wir fuhren wieder auf der Autobahn zurück (auf der gleichen Spur) und nutzten die parallel verlaufende Passstraße. Jedenfalls war es Nacht, die Straße war nicht geräumt, neben der rutschigen Strasse war ein Abgrund und der Bus hatte nach über sechs Stunden immer noch nicht angehalten.  Nach gut 8 Stunden hielten wir das erste Mal für eine „Pinkelpause“ am Straßenrand. Man beachte, an Bord des Busses gab es keine Toilette und es gab nur sehr sporadisch Pausen - Vorsicht: nicht so viel trinken!


Am nächsten Morgen begrüßte uns ein blauer im Himmel und die anatolische Hochebene war mit einer Schneedecke verziert. Als wir dann nach Erzerum die Hauptstraße verlassen hatten, kamen wir sofort in die erste Militärkontrolle. Mit Maschinengewehren bewaffnete Soldaten kontrollierten unsere Pässe und dann durften wir in die Provinz Kars (kurdisch Qers) in Ostanatolien einreisen. Das Auswärtige Amt gab für die Provinz Kars, Agir und das Gebiet rund um den Berg Ararat eine Art der Reisewarnung heraus, da im Juli 2008 am Berg Ararat deutsche Touristen entführt wurden. Wir hatten das Glück, bei bestem Wetter, den Berg Ararat, wo angeblich die Arche Noah gestrandet sein soll, zu bewundern. Am Mittag erreichten wir Doğubeyazıt und dann gegen 14:00 Uhr die Grenze der Türkei zum Iran. Wir vernichteten die letzten Bestände an Alkohol und begaben uns erst zur türkischen und dann zur iranischen Zollkontrolle. Die Zollstelle liegt direkt auf dem Pass. Wir ahnten schon, dass es lange dauern würde, da die Schlange der Autos sehr lang war. Es gab eine illustre Auswahl an Menschen die in den Iran einreisen wollten wie zum Beispiel Turkmenen, russische Omas aus den völlig heruntergekommen russischen Bussen, Iraner und Türken. Bei manchen wollte man gar nicht erahnen aus welchem Grund sie die Grenze passierten. Die Autos und Busse die sich angestellt hatten waren jedenfalls in einem desolaten Zustand. Wir hatten die Einreiseprozedur hinter uns und durften warten, warten und warten. Nach 9 Stunden wurden wir endlich aufgerufen, nun holten wir das Gepäck aus dem Bus um es kontrollieren zu lassen. Leider wurde unser Gepäck, da wir deutsche Staatsbürger sind, nicht kontrolliert. Von allen anderen Mitreisenden wurde das Gepäck teilweise sehr genau kontrolliert. Wir bestiegen gegen 21:30 Uhr den ausgekühlten Bus und fuhren endlich die Passstraße nach Bazargan (auch Basargan) hinab. An Bord waren auch noch Grenzbeamte und die Fahrt nahm noch mal ein jähes Ende an einem Restaurant im Grenzort Bazargan. Erst speisten wir das erste Mal Kabap (iranischer Schaschlik, auch Kebap) und dann wurde uns per Händen und Füßen erklärt, dass der Bus kaputt sei. Toll! Wir verbrachten die Nacht auf den gemütlich, kalten Tischen des Restaurants. Da wir das nicht ahnen konnten, hatten wir nicht genug wärmendes Material zum schlafen mitgenommen und mussten irgendwie versuchen die Nacht rum zu bringen. Gegen 5 Uhr war plötzlich der Bus wieder ganz und die Fahrt konnte im gleichen - nicht reparierten Bus - fortgesetzt werden. Wir zogen es vor, den Bus gegen 11 Uhr in Tabriz (auch Täbriz , Tabris, Tebriz) zu verlassen und uns eine der größten Städte des Iran anzusehen...


timeline

Istanbul ab 14:00 Uhr, 24. Dezember 2008

Teheran an (geplant) 8:00 Uhr, 26. Dezember 2008

Fahrtdauer geplant 42 Stunden

Tabriz an 11:00 Uhr, 26. Dezember 2008

Fahrtdauer gesamt 45 Stunden



TABRIZ Reisebericht


Wir hatten am Busbahnhof von Tabriz (Täbris, Tebriz) unser Gepäck bei der am Abend operierenden Busgesellschaft abgegeben, nachdem wir das Ticket für Busfahrt nach Esfahan (Isfahan) für 17:00 Uhr gekauft hatten.

Völlig versifft von der Busfahrt aus Istanbul, starteten wir unsere Exkursion durch Tabriz (Täbris, Tebriz) und die Provinz Ost-Aserbaidschan (Aturpatgan). Mit einem Taxi ließen wir uns in die Innenstadt zum Basareingang befördern. Die Bausubstanz von Tabriz überrascht. An den Häusern hängen Kabel heraus, der Putz fällt ab und alles sieht etwas zerstört aus. Man sollte dazu sagen, dass Tabriz (Täbris, Tebriz) in einem Erdbebengebiet liegt und oft von solchen heimgesucht wird und wurde. Interessante Orte gibt es in Tabriz (Täbris, Tebriz) eigentlich nicht. Die blaue Moschee aus Lehm verziert mit blauen Kacheln ist wirklich fantastisch. Die Restaurierung wurde hier mit großer Sorgfalt durchgeführt und die Kraft der Indigofarben ist eine wahre Inspirationsquelle. Zerstört wurde die Moschee natürlich durch ein Erdbeben. Sonst kommt Tabriz (Täbris, Tebriz) ganz trist daher. Der Basar war nicht gerade außergewöhnlich, aber dafür ist dieser flächenmäßig groß. Hier direkt am Basar befindet sich eine bemerkenswerte Touristinformation.

Wir nahmen uns vor Ort gleich ein Fremdenführer, der fließend Englisch sprach – Reza (so heißen alle Iraner). Er brachte nur noch schnell einen chinesischen Ingenieur ins beste Hotel der Stadt. Chinesen findet man überall im Iran, denn sie halten sich nicht an das Embargo der Vereinten Nationen. Sie sind nur auf die Energiesicherung ihres eigenen Landes erpicht, koste es was es wolle. Nichtsdestotrotz waren wir kurz im wunderschönen Park von Tabriz (Täbris, Tebriz). Der Park war zwar im Winter nicht grün, aber Schneeflocken ließen den Park wenigstens ein bisschen märchenhaft erscheinen. Generell ist das Wetter in Tabriz (Täbris, Tebriz) im Winter genauso kalt wie bei uns. Temperaturen bis zu -20°C sind im Winter auch in Tabriz (Täbris, Tebriz) keine Seltenheit. nach dem Parkbesuch ging es auf dem direkten Weg ins 55 km entfernte Kandovan. An einem tristen Hang gelegen, ist der letzte Ort, an dem Menschen richtig im Felsen wohnen. Die Wohnungen befinden sich in den hinkelsteinartigen grauen Sandsteinen und nur Fenster und Türen verraten, dass hier Menschen wohnen. Zwischen den Felsen schlängeln sich kleine Gassen hindurch und die meisten Häuser werden mit Gas versorgt. Dorf macht zunächst einen ärmlichen Eindruck. Aber durch die Touristen werden einige Devisen in das Säckl von Kandovan gespült.

Spannend ist auf jeden Fall die Zeitreise durch diesen spektakulären Ort. Wer selber in einem Felsen übernachten will, kann dies im Kandovan Rocky Hotel (Tel: 0098-412-3230190) tun. Eines der Besten Hotels des Landes bietet ein Restaurant und einmalige Zimmer an. Das Hotel gehört zur führenden iranischen Hotelkette Laleh. Das Restaurant ist für Europäer durchaus erschwinglich. Für 8 Euro bekommt man ein einmalig gutes typisches Essen serviert in einer herausragenden Lokalität. Nachdem wir das Nationalgericht Dizi (4000 Tuman) gegessen hatten, machten wir uns auf den Rückweg. Endlich öffnete sich die dicke Wolkendecke und die ersten Sonnenstrahlen begrüßten uns im Iran, bevor sich die Wolkendecke wieder verschlossen hatte. Zurück in Tabriz (Täbris, Tebriz) sind wir sofort zum Busbahnhof gefahren um zu den nächsten Highlights durchzustarten. 17:00 Uhr verließ unser Bus den Busbahnhof und wir durften das erste Mal das Busunterhaltungsprogramm genießen. Noch schnell durch

die Reiseführer gestöbert hielten wir dann Nachtruhe, in der Hoffnung, dass wir am nächsten Morgen wieder frisch in Esfahan (Isfahan) ankommen würden.


1000.00 Tuman = US $ 1.00, Reisezeit Dezember/Januar 2008/09


Fortsetzung: Isfahan Reisebericht

text: tjark METZNER, nürnberg april 2009

Reza Ghadiri, Official Tour Guide für den gesamten Nordwesten des Iran. Spricht sehr gutes Englisch, Preise verhandelbar.