Reisebericht: Insel Qeshm (Qeshm Island)

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Bandar e Abbas & Insel Qeshm Reisebericht

Qeshm (auch: Gheshm, Gheshm, Queshm)



  1. a)ANREISE nach Bandar e Abbas
    Wir kamen um fünf Uhr am Busbahnhof in der Hafenstadt Bandar e Abbas an. Dort wurden wir bereits herzlich von einer sehr hohen Luftfeuchtigkeit empfangen. Hinzu kam eine Außentemperatur von etwa 18°C (Dezember). Da der Busbahnhof 5 km entfernt von Stadtzentrum und Hafen liegt, mussten wir ein Taxi nehmen. Wir boten einem Taxifahrer gleich deflationäre 2500 Tuman an. Er willigte ein, aber wir mussten dann ca. 10 min auf weitere Mitfahrer warten, damit sich die Beförderung für den Taxifahrer lohnt.
    Im Morgengrauen erreichten wir den Hafen von Bandar e Abbas. Die Straßen waren gesäumt mit Palmen und die Menschen trugen weiße lange Gewänder, wie zum Beispiel in den VAE und Oman. Begründet durch die lange Geschichte der Schifffahrt im persischen Golf vermischten sich die einzelnen Menschen und es entstand eine Art Meltingpot. Deshalb ist dieser schmale Meeresstreifen eine der wenigen Regionen Irans, die mehrheitlich nicht schiitisch sind - die Bewohner werden Bandaris genannt.
    Am Ableger für die Fähren nach Qeshm Island angekommen, kauften wir die Tickets für die Überfahrt. Da die See sehr ruhig war gab es an diesem Tag keine Fähren sondern nur Speedboote. Wir wählten die teurere Variante mit Überdachung (um 2000 Tuman). Die Boote waren schon sehr abgenutzt und machten dem Namen „Speedboat“ alle Ehre. Gegen 7:00 Uhr startete unser Boot und schlängelte sich zwischen den Großen Frachtschiffen im Hafen durch. Im gesamten Gebiet der Straße von Hormus (auch Hormuz, Hormóz) lagen unzählige Frachtschiffe vor Anker. Die Wirtschaftskrise hat auch im größten Hafen Irans ihre Spuren hinterlassen, denn die  Schiffe dienen jetzt auch als Lager. Es ist also momentan wirtschaftlicher Öl zu lagern, als es zu verkaufen. Um 30% des Weltöls durchfahren diese geopolitisch wichtige Straße (Straße von Hormus). Die See war an diesem Tag sehr ruhig und glatt wie eine Tischoberfläche. Laut Reiseführer sollte es ein „spritziges Vergnügen werden“. So kam es auch, trotz Abdeckung gelangen ein paar Spritzer Wasser ins innere des Bootes. Es war mehr Nussschale denn Boot. Diese Boote legen ca. alle 10 Minuten - immer wenn sie voll sind - ab. Es gibt auch einige Pendler (z.B. Schüler) zwischen Bandar e Abbas und Qeshm. Wir erreichten nach ca. 40 Minuten den Hafen von Qeshm Island.

  2. b)Die Insel Qeshm ist die größte Insel des Iran und wurde zu einer Freihandelszone wie Insel Kish erklärt. Der Hautport ist Qeshm und sieht aus wie eine typische arabisch-indische Stadt. Es gibt viele kleine Häuser und einen Basar, aber richtig auf Touristen ist dieser Ort nicht eingestellt. Wir fuhren zu einem Einkaufszentrum, welches wetterbedingt äußerst marode erschien und Geschäfte mit chinesischem Kram, sowie das Geopark Museum beherbergte. Auf Grund der Freihandelszone gibt es unzählige Einkaufszentren in Qeshm, die aber nur Billigware aus Fernost verkaufen - wenig interessant für jeden Tourist. Ein Reisebüro gab es in dem Einkaufszentrum, aber die Angestellte konnte kein Englisch und wir hatten uns entschlossen, der Empfehlung des Lonely Planet zu Folgen und versuchten zum Golden Beach (Simin Beach) Resort zu gelangen. Wir mussten mehrere Taxifahrer anhalten, bis einer bereit war uns für 6000 Tuman dort hinzufahren. Die Fahrt führte entlang der Südküste, gesäumt von Müll und stockenden Bauprojekten. Nach 20 Minuten erreichten wir das Golden Beach Resort. Da es offenbar kaum andere Unterkunftsmöglichkeiten auf Qeshm gab, checkten wir dort ein. Wir hatten die Auswahl zwischen einem „VIP-Room“ für 40000 Tuman und einem Dreibettzimmer für 25000 Tuman pro Nacht. Martin war sich nach Besichtigung der Zimmer längst nicht sicher, welches nun „VIP-“ und welches Dreibettzimmer war. Vorsichtshalber nahmen wir erst einmal eine Nacht im Dreibettzimmer. Das Zimmer war im 1. Stock direkt am Sandstrand, ausgestattet mit Bad und Fernseher. In puncto Sauberkeit von Bad und Betten hält dieses Hotel leider keinem Standard stand. Von einem Russen erfuhren wir, dass sein Hotel Diplomat in Qeshm City nochmals deutlich schlechter war.

  3. c)Insel Qeshm Reisebericht
    12.00 Uhr bestellten wir uns ein Taxi. Der Taxifahrer konnte ein paar Worte Englisch, was uns enorm geholfen hatte. Es gibt einen Maximalpreis für die Taxifahrten auf Qeshm. Eine Querung der Insel kostet etwa 14000 Tuman, Wartezeit 3500 Tuman pro Stunde. Erster Stopp war Laft, ein wunderschöner Ort mit einer großen Windturmdichte. Fast jedes Haus hat einen solchen Badgir (Badghir), wenn nicht gar zwei oder drei Windtürme. Der Ort hat auch einen Hafen und es lagen auch einige typische Holzschiffe vor Anker. Einige Kinder spielten am verdreckten Stand und ab und zu fahren auch Bandaris vorbei die von unserer Anwesenheit kaum Notiz nahmen. Auf dem Rücksitz der Mopeds hatten die jungen Bandaris meist ihre Frauen sitzen, welche für ihre bunten Ledermasken berühmt sind. Jetzt in der grellen Mittagssonne waren es auch angenehme 24°C. Unser junger Taxifahrer wartete im Schatten eines Gebäudes am Hafen und wir durchstöberten unterdessen die Stadt innerhalb einer Stunde. Empfehlenswert ist der Sonnenuntergang in Laft, welcher bestimmt ein unvergessliches Erlebnis ist.

    Zweiter Stopp war der Geopark auf Qeshm. Nach 50 Minuten Fahrt erreichten wir eine Art Parkplatz wo auch schon ein Einheimischer wartete um auf Farsi uns den Geopark zu erklären. Wir verstanden den netten Opa zwar nicht, aber wir konnten uns einiges ableiten. So entstand die Klamm des Geoparkes durch einen Wadi und man konnte noch einige Spuren vom letzten Wasser erkennen. Einmalig sind die unberührten Auswaschungen in den Felsen welche sich als optimales Fotomotiv eignen. Nach einer guten halben Stunde in der Klamm fuhren wir zu einem weiteren Punkt im Geopark, einem Felsen, welcher wie eine Festung aussieht. Rundherum ist die unwirtliche Ebene sehr karg und erinnert an eine Mondlandschaft.

    Als letzten Stopp planten wir den Hara-Mangrovenwald (Harra Mangrove Forest) ein. In einem Ort südlich von Laft gab es sogar ein Hinweisschild an der Straße, welches uns dann zu dem Nationalparkhaus führte. Ein langer Damm reicht fast bis in die Mitte des Mangrovenwaldes hinein. Hier befindet sich ein kleiner Hafen mit Booten. Gleich neben dem Nationalparkhaus steht noch eine Instant-Moschee und im Freien gibt es ein paar Souvenirverkäufer. Eigentlich wollten wir eine Bootstour machen aber der einzige anwesende Mensch (ein Polizist) der sich verständlich machen konnte und wollte, nannte uns den Preis von 200 000 Tuman. 140 Euro waren uns zu viel Geld und wir hatten es uns anders überlegt. Die Iraner hatten uns danach auch überhaupt nicht bedrängt und wollten uns nicht überreden. Sie verhielten sich wie immer sehr zurückhaltend - das war sehr angenehm und überhaupt sehr untypisch, zum Beispiel im Vergleich zu arabischen Völkern. Die Iraner sind stets sehr nett und zuvorkommend und deshalb macht es auch so viel Spaß durch den Iran zu reisen. Aber wir konnten es uns wirklich nicht vorstellen, dass die Bootstour so viel kosten sollte. So fragten wir noch mal nach und stellten fest, dass die Iraner selbst nicht mit ihrer Scheinwährung umgehen konnten, denn der Polizist wollte 200 000 Rial haben also 14 Euro. Wir charterten trotzdem ein Boot. Zwei Kinder führten das Boot durch den Hara-Mangrovenwald und zeigten uns Vögel, Fischernetze, Aufforstungsgebiete und natürlich durften wir eine an das heimische Wattenmeer erinnernde „Insel“ besteigen. Der Boden der Mangrovenwälder ähnelt dem des Watts in der Nordsee. Die Kinder und wir hatten viel Spaß bei der Bootstour und in der Nussschale war es wieder etwas nass geworden. Erstaunlich ist die enorme Anzahl von Vogelarten und wie gut man die Vögel fotografieren kann. Ca. 2,5% der weltwieten Vogelarten und 25% der iransichen Vogelarten sind hier anzutreffen. Für Ornithologen ist der Hara-Mangroven Wald ein Highlight. Die einstündige Bootstour war wirklich sehr schön und den Mangrovenwald auf Qeshm sollte man nicht verpassen.

    Den Abend ließen wir am Strand des „Golden Beach“-Resort ausklingen. Am nächsten Morgen waren wir schon so frustriert  von der Unterkunft, dass wir die Aufenthaltsdauer im Simin Beach-Resort nicht verlängerten. Wir besuchten noch die nahe gelegenen Höhlen, die aber angeblich auf Grund von Erdbeben nicht zu besichtigen waren. Wir gingen trotzdem hinein und beeilten uns ein wenig. Anschließend nahmen wir uns wieder ein Taxi und fuhren zurück nach Qeshm City. Die Stadt verließen wir rasch mit einem Speedboot.

  4. d)BANDAR E ABBAS Reisebericht
    Am späten Nachmittag erreichten wir wieder den Hafen von Bandar e Abbas. Die letzten zwei Stunden verbrachten wir in der Innenstadt. Bandar e Abbas sollte man eher meiden und unser Eindruck war auch nicht positiv geprägt. In einem kleinen Restaurant nahmen wir eine Mahlzeit ein und fuhren direkt mit einem Taxi zurück zum Busbahnhof. Der Taxifahrer hatte einen beeindruckend-kitschigen Fußball-Schrein in sein Fahrzeug integriert. Es grenzte dennoch an ein Wunder das wir seine Lieblingsspieler, die er uns zustammelte tatsächlich verstanden. Nebenbei bemerkt haben alle Iraner eine Vorliebe für Fußball. Insbesondere die Namen Ballack, Beckenbauer, Schweinsteiger und Matthäus sollte man sich als Deutscher vor Reisebeginn noch einmal ins Gedächtnis rufen. Während der Fahrt fing unser Fahrer dann zu beten an und so kam es, dass er um ein Haar einen Fußgänger mit 100 km/h umgefahren hätte. Dem Schlag zu urteilen, müsste der lebensmüde Fußgänger das Taxi berührt haben. Autofahrer sollte man im Iran nicht unterschätzen.

  5. e)BANDAR E ABBAS - YAZD (BUS)
    Der bereitgestellte Bus hatte eine kleine Reparatur nötig, denn die Heizung war eingeschaltet und die Klimaanlage war kaputt. Es waren gefühlte 50°C im Bus. 17:00 Uhr verließ dann der Bus das kleine Terminal um nach Yazd zu fahren. Die Straße Richtung Norden war überfüllt mit Seecontainer transportierenden LKWs. Die Straße wird nicht ohne Grund in eine Autobahn umgebaut, schließlich sich dieser einzige Weg vom Hafen Richtung Norden zu einem richtigen Flaschenhals entwickelt hat. Dementsprechend langsam fuhr unser Bus die Passstraßen entlang. Wir konnten zwar sehr schlecht bei dieser Nachtfahrt schlafen, doch der Bus kühlte sich auf der Fahrt bis auf 30° herab. Mitten in der Nacht gab es dann auch noch einen Zwangshalt, alle außer junge Mütter müssen hier aussteigen um für die Busgesellschaften Provisionen oder Direktumsatz bei den Imbissen und Kiosken zu generieren. Am 2.01.2009 erreichten wir morgens den Busbahnhof von Yazd.

    Fortsetzung: Yazd, Karanagh und Meybod Reisebericht

text: tjark METZNER, nürnberg april 2009