Am ersten Chateau angelangt, stellten wir erneut fest, dass in Frankreich gerade Privatschlösser niemals kostenlos sind und man selbst für das Betreten des Außengeländes löhnen musste.
Da die Umgebung jedoch sehr malerisch wirkte und wir wegen des Schlosses länger gefahren waren, zahlten wir die drei Euro pro Person und picknickten im Schlossgarten. Allein diese preisgünstige Variante der Schlossbesichtigung ist grundsätzlich zu empfehlen, da das Gelände mit Blick auf Schloss und umgebenden Wassergraben zum Träumen verleitet.
Schließlich begaben wir uns auf den letzten Teil unserer Fahrt und fuhren weitere geschätzte zwanzig Minuten. Gegen 18:30 Uhr trafen wir im Chateau de Montriou ein, wo uns ein älterer Mann sehr freundlich empfing. Wie sich später herausstellte, war er der Besitzer dieses Chateaus mit zu besichtigendem Garten und der Attraktion eines Kürbisgartens.
Bei unserer Ankunft hatten wir natürlich sofort den Garten angesprochen, der auch von Tagesgästen für ein geringes Entgelt besichtigt werden kann.
Sein rein botanischer Teil beginnt hinter dem See des Schlosses und wird durch Waldstücke ergänzt.
Er fasziniert durch farben- und formenreiche Pflanzenvielfalt, reichlichen Gemüse- und Obstanbau in Komposition mit verschiedensten Blumenarten. Besonders beeindruckend sind die rankenden Kürbispflanzen sowie zwei großflächige Felder desselben Gemüses, in denen wir ein riesengroßes Exemplar entdecken konnten. Hervorzuheben ist die Ausstrahlung mühevoller, kontinuierlicher Pflege, die den gesamten Garten betraf. Die Tatsache, dass diese Leistung lediglich der Gärtner mit Unterstützung der Schlossbesitzer und einer Schwägerin erbringt, ist schier unglaublich.
Bei unserer Begehung des Grundstücks waren wir ein wenig in Zeitnot, da jeden Abend gegen 20:00 Uhr alle Teile des Gartens über Sprenkleranlagen gewässert werden. Glücklicherweise gibt es eine Art Warnsignal, durch das man sich rechtzeitig vor unfreiwilligen Duschen retten kann. Die Wasserversorgung für den Garten läuft für die Schlossherren kostengünstig über den Inhalt des großen Schlossteichs. Infolge eines scheinbar geistreichen Ideengebers erfolgt der Antrieb der Wasserpumpe durch einen Traktor beziehungsweise dessen Motor. Das Geräusch des Anlassers ist für Normalhörende ausschlaggebender Hinweis zur Flucht aus dem Gartenbereich. Trotz Räumung mancher Gartenabschnitte kann man sich allerdings der hohen Bäume, der Sicht auf den See, einer Voliere mit weißen Tauben im „Italienischen Garten“ oder aber auch entspannt am Anblick des Gärtnerhäuschens erfreuen. Weiteren niedlichen und beschäftigenden Zeitvertreib boten uns die beiden kleinen Hunde, die anscheinend zum Chateau gehörten und sowohl zum Spielen als auch zum Erhalt von Streicheleinheiten aufgelegt waren.
Bevor wir uns Schlafen legten, genossen wir noch den Abend in dem Umfeld des Schlosses, nachdem das MUSS der Gartenbetrachtung getan war. Zunächst unterhielten wir uns mit einer älteren Frau, mit der es zwar gegenseitige Verständigungsprobleme gab, die aber äußerst wohlwollend und gutmütig wirkte und, wie sich später herausstellte, die Schwester der Besitzerin des Schlosses war. Außerdem sahen wir uns den Innenraum der kleinen, schönen Kapelle, die direkt neben den Schlossmauern steht, an. Hier waren wir von einem riesigen Strauß frischer Blumen – unter anderem von wunderschönen Dahlien des Gartens – begeistert.
Der Abend klang für uns gemütlich vor dem Gärtnerhäuschen aus. Dort standen Stühle und ein Tisch bereit. Wir ließen unter dem Schutz von Bäumen die Woche Revue passieren, redeten, lachten, tranken einen Weißwein französischer Herkunft (woher sonst?!) zu eingelegten Oliven und fühlten uns am Ausstieg vom Alltag angekommen.
Die Nacht im Himmelbett, das uns für diese Nacht gehörte, war sehr erholend und das Aufwachen im altertümlichen Schlosszimmer traumhaft…
Unser Zimmer befand sich in der letzten Etage des Schlosses und wurde über eine Wendeltreppe erreicht. Ein langer Gang führte an zwei anderen Räumen vorbei und endete in unserer Zimmertür. Der Raum spiegelte jede klassische Vorstellung eines Schlosszimmers ohne übertriebenen Prunk wieder und war sehr gemütlich. Weitere, zugleich kennzeichnende Geste für die Freundlichkeit und das Gefühl des Willkommenseins im Schloss, war der bereitgestellte Wasserkocher mit Teeservice und Teesorten zum eigenständigen Bereiten eines wärmenden oder beruhigenden Getränks.
Dieses Gefühl wurde durch die Stimmung des Frühstücks ergänzt. Bereits bei der Ankunft wählten wir unsere Getränke zum „Petit Dejeuner“ aus und als wir den Raum betraten, der für das Frühstück vorgesehen war und ebenfalls frisch gepflückte Blumen beherbergte, empfing uns ein gedeckter Tisch. Auf einer Schiefertafel, auf denen früher Schulkinder das Alphabet schrieben, stand die Bitte, bei Ankunft zu klingeln – mit der Glocke, die ebenfalls da war. Infolge des Glockenklangs erschien die noch ausgesprochen vital wirkende Schlossbesitzerin. Nach kurzem Small-Talk und erneutem Verschwinden ihrerseits bekamen wir frische, überdimensional große Croissants sowie bestellten Kaffee und eine Kanne empfehlenswerter Schokolade.
Wir genossen das Frühstück mit Aussicht auf die in Form geschnittenen Buchsbäume neben der Kapelle und fühlten uns um Jahrhunderte in die Vergangenheit versetzt.
Vor unserem Stieg auf die Fahrräder hatten wir noch ein Gespräch mit der netten Dame vom Frühstück, die für ihr Alter wirklich gut das Englische beherrschte. Da wir das Chateau de Montriou zum Übernachten (tolles Zimmer inklusive Frühstück für zwei Personen für 85 Euro) und auch einfach nur zum Schlendern durch den Garten empfehlen können, erfolgt an dieser Stelle schlicht der Verweis an die Homepage.






