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Andong und Gyeongju Reisebericht



Wie an jedem Tag, zwangen wir uns auch diesmal sehr früh aufzustehen. Gegen 5.30 Uhr verließen wir unser Motel direkt am Strand in Gangneung. Im Gegensatz zu 1 Uhr nachts, war der Partystrand um diese Zeit, kurz bevor die Sonne aufging, hingegen wie leergefegt. Trotzdem waren es immer noch sommerliche 24 Grad mit einer hohen Luftfeuchtigkeit – man hätte also weiter feiern können. Die Sonne ging gerade über dem Meer auf. Wir konnten mit Mühe ein Taxi finden, welches uns direkt zum Bahnhof von Gangneung brachte. Schon um 6.00 Uhr sollte der Mugunghwa 1671 nach Andong starten. Fünf Minuten vor Abfahrt des Zuges erreichten wir den Bahnsteig. Unser Zug stand schon bereit und wir bezogen unsere Plätze. An diesem Morgen waren ungewöhnlich viele junge Koreaner im Zug. Wir fuhren pünktlich los. Die Fahrt war sehr angenehm. Die ersten 45 Minuten verliefen fast ausschließlich am schönen Strand entlang. Sehr auffällig ist, dass selbst schon so weit südlich der Grenze zwischen Nord- und Südkorea immer noch hohe Zäune die Strände säumen.


Nichtsdestotrotz war es wirklich ein schöner Morgen. Wir genossen die aus dem Meer aufgehende Sonne und gondelten durch die verschlafene Landschaft. Erster Halt war der Badeort Jeongdongjin. Hier steht direkt am Meer, gut sichtbar an der Küste, ein Hotel, welches einem Schiff nachempfunden ist. Jedenfalls hat sich der Architekt sehr viel Mühe gegeben, diese Unterkunft so authentisch wie möglich aussehen zu lassen. Ab dem Bahnhof von Donghae führt die Strecke ins Landesinnere.  Durch mehrere Tunnel geht es entlang einsamer Täler Richtung Süden. Ab und zu sieht man Dörfer, Felder und ein paar Straßen. Nach doch ermüdenden 3,5 Stunden Zugfahrt erreichten wir den Kreuzungshalt Yeongju. Unser Zug hatte das Ziel Daegu und so konnten wir im Zug bis Andong sitzen bleiben. Inzwischen hatte sich der Zug stark gefüllt. Zwei junge Koreanerinnen boten uns netterweise zwei Maiskolben an. Wir verschenkten ein paar Haribo Goldbären. So sieht Völkerverständigung aus. Die Strecke bis nach Andong ist wirklich lahm. Der Zug schlich meist nur um 80 Kilometer pro Stunde durch die Landschaft. Fairerweise sollten wir zugeben, dass ein Expressbus die Strecke natürlich schneller zurückgelegt hätte. Durch das professionelle Kundenbindungsprogramm namens Korail-Pass waren wir an den gleichnamigen Beförderer gebunden. Mit etwas Verspätung erreichten wir den kleinen Bahnhof von Andong (169.000 Einwohner).


Zuerst ging es für uns zur Touristeninformation am Bahnhofsvorplatz, welche uns hervorragend mit Informationsmaterial versorgte. So hatten wir eine Stadtkarte, Stadtbusabfahrtsplan und weitere hilfreiche Hinweise bekommen.


Auf dem Besichtigungsprogramm stand heute das Folk Village Andong. Wir erreichten es mehr oder weniger bequem zu Fuß (es sind drei Kilometer vom Bahnhof aus). Im Folk Village war jedenfalls wenig los. Trotzdem wird es als Kulisse für Dreharbeiten für den TV Sender KBS genutzt. Wir konnten auch ein paar Filmpilger sehen. Schnell hatten wir fast alles wichtige im ‚Village’ gesehen und gingen nach einem kurzem Drink in die Stadt um die anderen Highlights zu besichtigen.


Wir erreichten pünktlich den Bus zum Dosan Seowon. Dieses frühere Konfuzianische Akademie ist auf der 1.000 Won-Note abgebildet. Wir kamen nach 50 Minuten Stadtbusfahrt schließlich am Eingangstor an. Mit uns im Bus reiste auch eine Horde an anderen doch eher jüngeren Koreanischen Touristen. Am Eingangstor bezahlten wir und konnten dann das Areal besichtigen. Die Akademie liegt unheimlich idyllisch in den Hügeln direkt an einem Fluss. Trotz Baumaßnahmen und großer Hitze konnten wir einiges besichtigen. Dosan Seowon wurde in Ehre zu Yi Hwang (aka Toegye) 1574 gegründet. Dieser Ort war insbesondere während der Joseon Dynasty der Schlüssel für spätere Führungskräfte. Toegye war ein sehr berühmter Dichter und schrieb sehr viele interessante Werke. Wir verließen den himmlischen Ort und wanderten anderthalb Kilometer bis zu einer größeren Straße. Dort wurden wir dann von einem Bus aufgesammelt und fuhren zurück in die Stadt, von der wir aus wieder eine neue Tour zum 16 Kilometer entfernten Bongjeongsa Tempel starteten. Der Bus zu diesem Tempel aus der Shilla Zeit fuhr nicht nur über Hauptstraßen, sondern wir fuhren waghalsig über ganz kleine und enge Straßen zu den umliegenden Dörfern. Auf jeden Fall war schon die Busfahrt ein Erlebnis.


In schönster Abendstimmung erreichten wir den Tempel Bongjeongsa. Zwar muss man von der Bushaltestelle circa 400 Meter bis zum Tempel bergauf laufen, aber das eigentliche Areal ist ziemlich übersichtlich. Vom Berg, der den Tempel umschließt, kann man herrliche Fotos von der Tempelanlage und dem weit entfernten Andong machen. Dort auf einer Anhöhe über dem Tempel gibt es ein kleines Gebetshäuschen. Nach einem kurzen Rundgang sind wir dann die Straße Richtung Berggipfel gefolgt. Zuerst erreicht man ein sehr schön angelegtes Feld und danach mehrere Seen, welche von unzähligen Lotuspflanzen bedeckt waren. Erst recht die Unberührtheit dieser Lotuspflanzen ließen unzählige schöne Pflanzenphotomotive finden. Nach gut 80 Minuten nahmen wir den letzten Bus um 19.20 Uhr zurück nach Andong. Anschließend gingen wir durch die Gassen und entschlossen uns für eines der vielen Galbi Restaurants. Wir orderten den 40%-Soju in der braunen 375 ml Flasche (aus Andong) und dazu verschiedene erlesene Stücke besten Sirloin Fleisches. Wir wurden hervorragend bedient und als Abschluss orderten wir noch Bulgogi. Insbesondere außerhalb von Seoul ist es gewöhnlich, dass man während dem Essen auf dem Boden sitzt. Für Europäer ungewöhnlich aber natürlich nicht unmöglich. Hingegen stellte das Stäbchenessen auch im fortgeschrittenen Reiseverlauf einige Schwierigkeiten dar. Insgesamt war das Essen sehr schmackhaft. Wir fuhren dann mit den Taxi zur Unterkunft und ließen den Abend ausklingen. 


Andong ist berühmt für seinen äußerst Alkoholhaltigen Soju. Mit bis zu 40% Alkohol ist dieser im Landesvergleich der Alkoholsieger. Deshalb hat Andong auch ein Sojumuseum. Wir können aus zweiter Quelle sagen, dass das Sojumuseum sich nicht als Besichtungstermin lohnt.


accomodation


Wir hatten uns schon vorher über die Touristeninformation ein ‚home stay’ herausgesucht. Dieses lag direkt auf halbem Weg zwischen Folk Village und Zentrum, genau gegenüber der ältesten Pagode Koreas. Wir schleppten unser Gepäck zu Fuß bis dort hin. Zuerst gab es unserer Seitens Irritationen bezüglich der Lage der Unterkunft. Doch nach mehreren Minuten des Suchens, Wartens und angestrengten Läutens fanden wir unsere Gastfamilie. Wir konnten bequem unser Gepäck stehen lassen und die Umgebung erkunden. Unsere Gastgeberin war sehr freundlich, aber etwas aufgeregt. So verstand sie nicht immer gleich alles und fragte öfter nach. Wir bezahlten die verhältnismäßig hohe Rechnung von 120.000 Won in bar. Für eine so tolle Unterkunft war es uns das jedoch auch wert. Wir hatten unser eigenes Häuschen mit einem sehr spartanisch eingerichtetem, aber traditionellen Bad. Die Wände waren aus Holz und Papier. Wir konnten auf dem Boden schlafen – eben ganz traditionell.

Für den nächsten Morgen bestellten wir ‚koreanisches Frühstück’ . Es bestand aus warmer Makrele, Ei, Reis, extrem scharfen Kimchi und getrockneten Algen. Insbesondere der schärfste Kimchi, den ich je gegessen hatte, räumte meinen Margen am frühen Morgen ordentlich auf.


22. August 2009 Gyeongju Reisebericht


Nach dem echten Koreanischen Frühstück packten wir unsere Sachen und nahmen den Zug 8.51 Uhr nach Gyeongju, welches wir pünktlich um 10.58 Uhr erreichten. Gyeongju gilt als das archäologische Highlight in Südkorea. Viele Tempel, Königsgräber und weitere verschüttete Paläste lassen das Touriherz höher schlagen.  Wunderschön gelegen zwischen den Bergen und nah am Meer, kann man hier mehrere Tage ohne Reue verbringen.


Nun versuchten wir das Erste mal unser Gepäck in typischen Koreanischen Schließfächern am Bahnhof einzuschließen. Diese „Gestelle“ waren nicht nur labil sondern verlangte auch noch den Preis von 2000 Won in einzelnen 100 Won Münzen. Trotz der Labilität war das System an sich sehr modern, denn statt den Schlüssel zu benutzen, verifiziert man sich mittels Fingerabdruck. Wir vertrauten den koreanischen Schließfächern dann doch noch unser Gepäck an und verschlossen es mit ebenjenem Fingerabdruck. An sich ist das System idiotensicher und selbst als Ausländer kann man es ohne Probleme verstehen. Allein nur die Anzahl von insgesamt 20 Schließfächern stellt ein Problem für Touristen dar: Ist man früh genug da, dann bekommt man auch noch freie Fächer.


Nach dem uns die Touristeninformation über die Besichtigung und ÖPNV Möglichkeiten aufklärte, sprangen wir sofort in dem Bus nach Bulguksa. Der Stadtbus braucht für die Strecke von 15 Kilometer etwa 40 Minuten. Die Strecke führt nicht nur durch Gyeongju sondern auch am schönen See Bomun entlang. Die Strecke verläuft neben dem Seeufer, unzählige Hotels und ein Freizeitpark sind hier zu finden. Ganz am Ende befindet sich ein EXPO Ausstellungspark mit Aussichtsturm. Viele Busfahrgäste, unter anderem auch Deutsche, hatten die ‚recreation area’ des Sees Bomun als Ziel. Vom See aus dauert es nicht mehr lange mit Bus und man erreicht die Haltestelle Bulguksa. Wie immer, muss man vom Eingangstor etliche Meter bis zum Tempel bergauf laufen, aber es lohnt sich. Bulguksa ist UNESCO Weltkulturerbe und gilt als einer der schönsten Tempel Südkoreas. So schön wie der Tempel war, so viele Touristen waren da. Erst hier, drei Tage nach Seoul hatten wir mehrere Nichtasiaten gesehen. Denn dieses Highlight ist überschwemmt von Chinesischen und Japanischen Touristen. Nach einem schönen Rundgang nahmen wir einen weiteren Bus auf den Berg Yangbuk-myeon zur Golgulsa Grotte. Die Strecke windet sich in vielen Serpentinen den Berg hinauf. Vom Parkplatz der Grotte Golgulsa hatte man eine fantastische Aussicht auf die Landschaft, Gyeongju und das am Japanischen (Koreanischen) Meer gelegene Pohang. Der Weg vom Parkplatz zur Grotte ist etwas abschüssig und führt durch einen schönen Wald. Genau mitten im Wald gelegen befinden sich mehrere Tempelhäuschen und die benannte Grotte Golgulsa.


Trotz 30°C im Schatten stellte der Wald eine Abkühlung dar. Nach getaner Sightseeingarbeit traten wir per Bus den Rückweg an. Auf der Fahrt unterhielten wir uns mit US-Soldaten, welche gerade den freien Tag nutzten um sich Südkorea anzusehen. Zur Zeit sind weniger als 5000 US-Soldaten in Südkorea stationiert, aber man sieht doch häufig ein paar Soldaten. So erspähten wir doch einige Pärchen, bestehend aus Soldat und Südkoreanerin.

Zurück in Gyeongju ging es für uns zuerst zu den berühmten im Tumuli Park gelegenen Cheonmachong Königsgräber. Eine sehr große Anlage mit vielen Hügelgräbern umrahmt von einer Mauer stellt hier einen Anziehungspunkt für Koreaner dar. Im gesamten Süden Gyeongju sieht man weitere Hügelgräber, die alle auch UNESCO Weltkulturerbe sind. Denn wenn ein Kaiser umgezogen ist, dann hat er auch immer alle Gräber zu seiner neuen Palastanlage mitgenommen. So haben sich über die Jahre viele Gräber angesammelt.


Den Dienst der Tourismusbehörde, den wir besonders hervorheben möchten, ist der kostenlose englischsprachige Guide. An jeder Kulturstätte gibt es ein Häuschen mit den Guides. Man klopft an und fragt kurz nach, ob diese Guides einem die Stätte zeigen könnten, dann bekommt man stets eine kostenlose Führung. Diese Guides sind so genannte ‚Good will Guides’. Wenn man den Service besonders zufrieden war, kann man natürlich Geld für diesen Service spenden.


Wir nutzten diesen erwähnenswerten Service am nächsten Kulturpunkt, dem Cheomseongdae Observatory. Dieser alte Turm zur astrologischen Beobachtung der Sterne ist schon mehrere tausend Jahre alt und ist auch in Nordkorea zu finden. In der Sariwon Folkstreet in Sariwon ist ein solches Observatorium auch nachgebaut (siehe Nordkorea Reisebericht).

Anschließend vollendeten wir den Rundgang im Süden Gyeongju mit der Besichtigung des Banwolseong Palastanlage. Leider sind hier nur ein paar wenige Nachbauten des Palastes zu sehen.

Sollte man mehr als einen Tag in Südkorea sein, dann können wir eine Reise nach Geongju uneingeschränkt empfehlen. Im Laufe des Jahres 2011 kann man den Ort sogar über die KTX Neubaustrecke in nur zwei Stunden von Seoul aus erreichen. Busan liegt dann nur noch 25 KTX-Hochgeschwindigkeitsminuten von Geongju entfernt.


Nach dem wirklich ausgefüllten Tag nahmen wir um 18.00 Uhr einen Bus nach Busan. Die Busfahrt führt entlang der eben schon angesprochenen neu entstehenden Hochgeschwindigkeitsstrecke Daegu-Gyeongju-Busan. 2011 soll dann endlich die Strecke fertig sein und auch Gyeongju ans Hochgeschwindigkeitsnetz mit einen Bahnhof anbinden. Unsere Fahrt bei schönsten Abendwetter und 25°C war nach einer Stunde bei Ankunft in Busan am Expressbusterminal schon wieder vorbei. Wir erwischten dann die Subway (U-Bahn) in Richtung Innenstadt. Nach zweimaligem Umsteigen erreichten wir dann den die Haltestelle Naeundae und liefen die restlichen 100 Meter südlich zum Haeundae Strand. Wir peilten direkt das Seacloud Hotel am Strand an.


Fortsetzung: Busan Reisebericht

Text: Tjark Metzner

21. August 2009