wir reisen nach WEIßRUSSLAND: Belarus, Minsk Reisebericht

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BELARUS Weißrussland Reisebericht  verlängertes Wochenende in Minsk                 -

ANREISE nach Belarus


Stilsicher reist man nach Weißrussland auf jeden Fall mit der Bahn. Mehrere Kurswagenverbindungen existieren zwischen fast allen größeren Städten Deutschlands. Bequem im Schlafwagen beträgt die Reisezeit nach Minsk durchschnittlich 24 Stunden und nach Brest 18 Stunden. Mit einem Sparpreis 50 kostet die Fahrt etwa 120 Euro pro Person hin & zurück plus 80 Euro Reservierungsgebühr.



INSIDER-Tipp


Europaspezial bis nach Terespol (Grenzbahnhof zu Weißrussland) ab 49 Euro 2. Klasse / 59 Euro  1. Klasse von jedem deutschen Bahnhof. Gebucht wird im Berlin-Warszawa-Express. Dieser verkehrt drei Mal täglich zwischen den beiden Hauptstädten. Ab Warschau kann man dann jeden Zug nutzen (also die Schlafwagenzüge nach Moskau). Zwischen Terespol und Brest benötigt man dann noch gewöhnliche Fahrscheine SCIC / TCV Fahrschein für rund 8 Euro. In Brest wird der Zug umgespurt, das heißt man hat einen Aufenthalt von ca. 120 Minuten, in dem man sich zuerst die Fahrkarten nach Minsk kauft und dann im nahe gelegenen Santa Fish Restaurant & Bar sehr gut speist. Eine Fahrkarte Platzkartny zwischen Brest und Minsk kostet 4,50 Euro und eine Schlafwagenfahrt im T4 schlägt mit ca. 7,50 Euro zu Buche.

Rückfahrt analog zur Hinfahrt

Reisepreis: ab 65 Euro für eine Strecke. Die Luxusanreise 1.Klasse kostet meist nur 10 oder 20 Euro mehr. Damit ist diese Variante viel günstiger als die Anreise im stressigen Bus.



REISEBERICHT Weißrussland / Minsk


Im vierten Quartal verkündete die Financial Times Deutschland ein Wirtschaftswachstum von 3 % in 2009 für Weißrussland (Belarus). Neben Polen ist die belorussische Wirtschaft anscheinend eine der wenigen, dich sich in der Wirtschaftskrise als standhaft erweist. Ob sich der Schurkenstaat Weißrussland so prächtig entwickelt, wie es gemäß dem BIP den Glauben vermittelt, wollten wir auf einem kleinen vorweihnachtlichen Trip nach Weißrussland selbst erfahren.


Bei dieser Reise waren nicht nur wie gewohnt Martin und Tjark unterwegs, sondern auch Sebastian, Anna-Maria und Vanessa. Wir hießen sie herzlich  willkommen auf unserer Bahnreiseerlebniskreuzfahrt zwischen EU und Russland. Über Berlin und Warschau erreichten wir die Hauptstadt Minsk sowie andere Städte Weißrusslands. Fünf Tage blieben uns, um Kultur, Lebensstil und Gastronomie zu erkunden.

Der erste Eindruck des Minsker Stadtbilds überraschte uns. Kommt die Hauptstadt doch einer Metropole gleich. Prachtvolle, weiße, stets beleuchtete Gebäudekomplexe zäumen die Hauptstraßen und hüllen die Stadt in einen Glanz aus Wohlstand und Fortschritt. Unzählige Cafés und Restaurants laden zu vergnüglichen Stunden ein und werten das Leben in Minsk ungemein auf.

Dieses Flair vermissten wir bisher bei unseren Reisen durch russische Städte. Es scheint jedoch, dass Minsk und Belarus den Spagat zwischen Ost und West ohne große Mühe meistern.

Trotz allem ist das Leben in Weißrussland immer noch stark von der Politk des Staatspräsidenten Aljaksandr Lukaschenka geprägt. Eine Veränderung der politischen Struktur und eine Annäherung an die EU werden indes nicht erwartet. Viele junge Belarussen glauben jedoch an einen Wandel und wünschen sich einen Ruck nach Westen.



DEUTSCHLAND 19 . Dezember 2009


Aus allen Gegenden Deutschlands reisten die Reiseteilnehmer an. Um 0.25 Uhr wollten wir uns alle im Berliner Hauptbahnhof treffen. Vanessa, Martin und ich steckten hingegen irgendwo auf der Schnellfahrtstrecke zwischen Göttingen und Hannover fest, während Anna und Sebastian mit nur 20 min Verspätung schon längst in Berlin eingetroffen waren. Trotz der zwei Stunden Verspätung von Vanessa, Martin und mir konnten wir noch rechtzeitig Sebastian und Anna in einer netten Bar in der Nähe der Haltestelle Alexanderplatz treffen. Die Nacht machten wir zum Tag und besuchten einige Bars bis es schließlich fünf Uhr morgens wurde und wir zum Hauptbahnhof aufbrachen. Dort versorgten wir uns in den Bahnhofshops mit Proviant  für die Fahrt uns bestiegen unseren Zug um 6:29, welcher pünktlich von Gleis 11 mit uns abfuhr.

Der Zug war bis auf den letzten Platz besetzt und wir ruhten uns von der anstrengenden Nacht aus. Nachdem wir irgendwo im nirgendwo in Polen aufwachten, stellten wir kurz vor Warschau fest, dass wir fast 45 Minuten Verspätung hatten. Unser Übergang in Warschau Wschodnia zum Internationalen Zug 12 betrug jedoch lediglich 42 Minuten. Bei der Ankunft in Wschodnia rannten wir schnell auf das andere Gleis,  wo zwei Schlafwagen auf uns warteten. Um 13 Uhr standen der RZD und der PKP (Polnische Bahn) Schlafwagen nach Moskau zwar bereit, doch vom Stammzug „Jan Kiepura“ aus Deutschland fehlte jede Spur. An der Fallblatttafel am Bahnsteig stand eine prognostizierte Verspätung von anfänglich 10 Minuten, welche sich mit zunehmender Zeit auf über 60 Minuten erhöhte. Mit 120 Minuten Verspätung traf dann der Stammzug „Jan Kiepura“ in Wschodnia ein und wurde mit unseren zwei Schlafwagen gekuppelt. Wir hatten unsere Bettkarten Warschau-Brest schon in Deutschland trotz widriger Verkaufsumstände für 6,40 Euro pro Person erstanden. Wir bezogen unsere beiden 3er Abteile im Wagen der Polnischen Bahn PKP und legten uns schlafen. Wie schön doch so eine Schlafwagenfahrt ist.

In Terespol kamen dann die polnischen Grenzer und kontrollierten uns. Hinter der Bugbrücke erreichten wir wenig später den weißrussischen/ russischen Grenzposten zur erneuten Kontrolle. Es gab keine allerdings Probleme.

Mit fast zwei Stunden Verspätung erreichten wir dann den europäischen Teil des Bahnhofes Brest. Wir stiegen aus dem Zug aus und kauften uns die Fahrkarten nach Minsk. Da wir in Brest nicht so lange auf die Bettplätze warten wollten (da diese erst später bereitgestellt werden), kauften wir Fahrkarten in der Kategorie Platzkartny. Diese waren mit ca. 21000 BYR (5 Euro) angenehm billig. Währendessen wurde unser Zug in die Umspurhalle gefahren, wo die Kupplungen und Achsen ausgetauscht wurden. In der ehemaligen GUS herrscht nach wie vor Breitspur, sodass alle europäischen Züge umgespurt werden müssen, bevor sie das Schienennetz befahren können.  Da wir zur neu terminierten Abfahrtszeit um 22:05 Uhr noch sehr viel Zeit hatten, besuchten wir das schon aus der Ferne blau leuchtende Santa Fish Restaurant. Sebastian, Martin und ich bestellten das Gericht „Forelle“, welches aus zwei Forellen für 7 Euro bestand.  Anna und Vanessa nahmen mit Fischsuppe vorlieb. Rechtzeitig erreichten wir den Bahnsteig mit Breitspur, doch von unserem Zug war nichts zu sehen. Auf der Abfahrtstafel verschwand der Zug und selbst 22:15 kam kein Zug aus Richtung Westen. Wir wendeten uns an mehrere Fahrgäste, die uns versicherten, dass wir den Zug nach Minsk noch nicht verpasst hatten.

Lange Minuten des Wartens vergingen, doch irgendwann wurden die Platzkartnywagen für unsere Fahrt bereitgestellt.  Wir gingen zu unserer Provodnitza und suchten uns nach der Fahrkartenkontrolle am Eingang unsere Plätze..  Ausreichend Decken machten diese Fahrt sehr gemütlich und wir machten es uns dementsprechend bequem. Weiterhin war unser Wagen nur mit ca. 20 weiteren Personen belegt. Die Fahrt war überraschend angenehm. Trotz allem  stelle ich mir eine tagelange Platzkartnyfahrt im russischen Sommer doch unangenehm vor.

Um 2.45 Uhr erreichten wir endlich Minsk. Wir informierten unseren Apartmentvermieter über unsere Verspätung und gingen vom Hauptbahnhof in Minsk bis zur Ecke Ulitza Lenina / Ulitza Karl Marksa. Genau hier im Zentrum von Minsk und direkt gegenüber vom szenigen McDonalds hatten wir im zweiten Stock eine tolle Apartmentwohnung gemietet.

Da in Weißrussland alles 24/7 ist, kam unser Vermieter selbst zu dieser Zeit zu unserer Unterkunft, um uns am 20.12. um 3.15 Uhr die Schlüssel zu übergeben.

Martin, Sebastian und ich zogen noch los, um in das Minsker Nachtleben einzutauchen. Wir fanden direkt in unserem Viertel den „Roxy Club“ vor. Mit einem Eintritt von 30.000 BYR ist dieser Club wahrscheinlich nur den reicheren Weißrussen vorbehalten. Wir beobachteten die Szenerie und ließen den Abend sowie die ersten Stunden in Minsk ausklingen.



MINSK 1. Tag


Guten Morgen Minsk! Wir starteten mit Fashion TV in den jungen Tag. Zuerst wollten wir die Umgebung erkunden. Wir machten uns mit dicker Winterkleidung auf den Weg und gingen die Straße Nyezhavisymosty Richtung Osten entlang.  Wir erkundeten die nahe Umgebung,  insbesondere die ‚Altstadt’. Viele Menschen waren an diesem Sonntag unterwegs und kauften ein. Wir schlenderten  u.a. über den Oktober Platz, den  Sieges Platz, durch den Janka Kupala, sowie den Zentral Park. Leicht unterkühlt erreichten wir zur besten Mittagszeit am Gorki Park eine Art ‚Mittelalterrestaurant’. Weder das Essen noch die Bedienungen waren mittelalterlich, aber immerhin hatte das Restaurant ein Motto. Wir tafelten Suppe, Schmortöpfe und Salate. Uns mundete das Essen in diesem Restaurant sehr und wir  können einen Besuch im Restaurant wärmstens empfehlen.

Weiter ging es in Richtung Nordost entlang der Nyezhavisymosty vorbei an Bücherläden, Prodoktui und Schuhläden. Schließlich erreichten wir das ZUM, welches wir sogleich stürmten. Etwas enttäuscht von der Produktpalette verließen wir das Kaufhaus ohne Waren. Langsam brach bereits die Dunkelheit herein, als wir den botanischen Garten erreichten. Dieser war aber jahreszeitbedingt geschlossen.

Etwas enttäuscht gingen wir zurück zur Minsker Metro. Eine Fahrt kostet ca. 200BYR und ist somit sehr erschwinglich, sodass wir die Metro auch weiterhin auf allen Strecken benutzten. Leider hat Minsk ein sehr eingeschränktes Metronetz von lediglich zwei Linien, die sich direkt vor unserem Apartment kreuzten. Verwirrend stellten wir aber fest, dass jede Metrostation in Minsk unterschiedliche Namen haben kann. So heißt die Haltestelle Vostok nicht unbedingt auch in der Metrokarte Vostok. Nur die Anzahl der Haltestellen garantiert, dass man die gewünschte Station erreichen wird.

Nach dem wir die Jetons für die Fahrt gelöst hatten, fuhren wir wieder zurück und stiegen in die Rote Linie zur Haltestelle Nemiga um. Von dort aus gelangten wir auf der Brücke über den Fluss Sislach zum National Theater – Bolschoi Theater. Dort erstanden wir für den gleichen Abend Tickets für die Aufführung Nabucco für ca. 4000 BYR. Da noch Zeit bis zum Veranstaltungsbeginn war, gingen wir zurück zum Fluss Sislach und bewunderten die Träneninsel. Nach einem kurzen Innehalten mussten wir uns in jener Kälte mit warmer Nahrung stärken. Das ging am besten im nahe gelegenen Restaurant ‚Stari God’. Jenes tischte in einem gemütlichen Altbauambiente leckeres belarussisches Essen auf. Gestärkt ging es in die Oper Nabucco. Wir ließen uns von schönen Stimmen berieseln und konnten uns entspannen. Jedoch kann die künstlerische Darstellung nicht mit den europäischen Inszenierungen verglichen werden. In den Pausen wird der Gast mit mehr oder weniger Hochprozentigen Erzeugnissen aus Russland und Belarus versorgt.

Nach dem Kulturprogramm trafen wir Sascha. Er, ein echter Minsker, führte uns zu den Hubs der jungen und trendigen Jugendlichen. Zuerst ging es quer durch die Stadt in eine stilvolle Kneipe in der Nähe des Unabhängigkeitsplatzes. Nach kurzem Warten hatten wir einen Tisch ergattert. Wir unterhielten uns auf hohem englischem Niveau, was wir nicht erwartet hatten. Mit zunehmender Stunde wurde es immer lustiger und einige angetrunkene Gäste suchten das Gespräch mit uns. Es war ein sehr unterhaltsamer Abend... So wie man es sich eben in Osteuropa vorstellt.



MINSK 2. Tag


Nach einer durchzechten Nacht kann man das Besichtigungsprogramm nicht immer so einhalten, wie gewünscht. Ein Teil unserer Mannschaft litt unter dem zu kurzem Schlaf. Aber Feiern ist Feiern und Kultur ist Kultur. So ging es für Vanessa und Martin kurz vor Mittag zur Sixt Autovermietung. Diese Filiale ist kaum zu finden und liegt in einem Containerhaus mit mehreren anderen Vermietungen und Dienstleistungsunternehmen.  Nach mehreren Anläufen und einigen zusätzlichen Wegbeschreibungen konnten sie die Sixt Filiale identifizieren. Das vertraute Sixt Logo in Corporate Identity ließ jegliche Zweifel verschwinden. Nach unzähligen Formularen und einer Besichtigungstour des Autos Marke Ford Mondeo konnten Martin und Vanessa durchstarten. Sie holten die noch verbleibenden Reiseteilnehmer am Apartment ab. Auf ging es durch die Stadt und zu einer kleinen Rundfahrt durch den Agglomerationsraum Minsks auf die M1 Richtung Brest. Nach einem kurzen Stopp an einer Tankstelle inklusive der Besorgung von Kartenmaterial und Proviant ging es weiter mit dem Ziel, das Landeskunde-  und Freilichtmuseum Strochitsy im gleichnamigen Ort zu besichtigen. Leider war dieses Highlight wenige Kilometer südwestlich von Minsk an der Autobahn nicht ausgeschildert. Wir versuchten mehrere Male Einheimische auf diesen Ort anzusprechen. Doch selbst zehn Kilometer Luftlinie entfernt von jenem obskuren Ort, wusste kein Mensch, was dort sein soll und warum wir da überhaupt hin wollten. Nach über zwei Stunden verzweifelter Suche gaben wir auf. Waren vielleicht die Iluminaten am Untergang Strochitsys schuld? Dieses Thema und noch vieles mehr nächste Woche bei Galileo Mystery mit Ayran Abdallah.....

Das Fahren bei Nacht und einer geschlossen Schneedecke war unproblematischer als wir dachten. Wohlbehalten kamen wir zu nächtlicher Stunde wieder in Minsk an.

Daraufhin setzten wir uns in die Metro und fuhren bis zu dem zweitletzten Halt, die zweite Station vor Vostok. Hier erhaschten wir die ersten Blicke auf eines DER Wahrzeichen Minsks. Die eigenwillige Architektur der Nationalbibliothek erschütterte bei Fertigstellung die Herzen der Minsker Bevölkerung. Wir finden den vieleckigen Kubus gelungen. On Top blinkt der Kubus psychedelisch und es laufen verschiedene Textbotschaften über die Oberfläche. Begeistert von diesem Wunderwerk der Moderne machten wir uns direkt auf dem Weg zum geschlossenen Falcone und weiter zum Perfetto (siehe: Check it out)

Nach einem leckeren italienischen Mahl ging es zu einem Rundgang am Unabhängigkeitsplatz. Den Abend ließen wir gechillt in unserem Apartment ausklingen.



MINSK und Njasvizh 3. Tag


Wir standen früh auf, denn es hieß carpe diem. Auf ging es zum Weltkulturerbe in die Städte Mir und Njasvizh.


Der Rote Osthimmel verriet, dass in wenigen Minuten die Sonne über den Horizont klettern wird, um das morgendliche Belarus zu wecken. Eingezwängt saßen wir fünf in unserem Ford Mondeo. Es schallt extrem laute russische Elektromusik aus dem Radio. No-Name Kekse beglückten die Mitfahrer, indem sie die leeren Mägen füllten.

Unser Ziel am jenem Morgen lag in Richtung Westen, die Städte Mir und Njasvszh. Beide Orte gekrönt als UNESCO Weltkultur Erbe. 

Wichtiger als Dresden? Noch wichtiger als Persepolis oder die Verbotene Stadt?

Die Straße fern ab von der Autobahn unterschied sich in der Farbe nicht vom Feld. Wir fuhren auf unberührten schneebedeckten Straßen und sahen vor uns eine Tankstelle, 9.50 Uhr, Häuser, bunte Häuser – huch wir sind in Mir.

Ah, das ist Mir - ‚amazing’.

Wir parkten direkt neben der hanseatisch, baltisch anmutenden Kirche auf dem Touristenparkplatz. Direkt am Platz des 17. September ging unser Fußmarsch zum Schloss los. Das Schloss liegt eingebettet in den Hügeln, aber trotzdem exponiert gegenüber des Ortes. Leider war und ist diese Sehenswürdigkeit montags und dienstags geschlossen. Nichtsdestotrotz schlichen wir um den Bau.

Zwar ist dieses Gebilde nicht so beeindruckend wie andere UNESCO Anlagen, doch hier in Belarus ist diese Burg zwischen den alten Holzhütten und Plattenbauten eine historische Oase. Das Schloss Mir wirkt wie eine Legoburg. Gebastelt aus unterschiedlichsten Teilen, bildet dieser vollkommene Bau eine Symbiose der Unterschiede. Zwar wirkt das Gebäude nicht besonders auffällig, es strahlt dennoch eine außergewöhnliche Atmosphäre aus. Nach obligatorischen Fotos und einem Rundgang ging es ins Stadtzentrum.  Allerdings unterscheidet sich das jüdische Viertel kaum vom belarussischen Viertel. Dennoch fanden wir sofort die Bushaltestelle und diverse Produktui Läden. Der Hauptplatz (Platz des 17. September) wird eingerahmt von der orthodoxen Dreifaltigkeitskirche und von der katholischen Sankt Nikolaus Kirche.

Erfrischt ging es zurück zum Auto und erneut auf die weiße Straße direkt nach Njasvizh. Jenen Ort erreichten wir nach 30 Minuten Fahrt.  Schon bei den ersten Häusern des Ortes wollten wir das Schloss erahnen, doch wir mussten noch einige Meter bis zum Parkplatz mit dem Auto zurücklegen. Angekommen in der Stadtmitte, ging es für uns zuerst in die ‚Farny Polish Roman Catholic Church’ welche im Inneren durch den italienischen Künstler Bernardoni im Stil des 16. Jahrhunderts verziert wurde. Von dort aus gelangten wir über eine mit Bäumen gesäumte Zufahrtsstraße zum Schloss. Am anderen Ende der Straße angelangt, konnten wir schon aus der Ferne die Burggräben und den weiß bedeckten See entdecken. Die Sanierung des Schlosses war  zu unserem Besuch im Dezember 2009 schon soweit  fortgeschritten, dass eine Tafel aus Stein am Eingang verkündete „renovatum anno domini 2010“.  Aber insbesondere am essenziellen Mittelbau wurde noch fleißig, selbst im Winter, gewerkelt.

Wir gönnten uns eine russische Führung durch das Schlossmuseum. Durch die Einfühlsamkeit der Museumsführerin konnten wir uns sehr gut in die spannende Geschichte des Ortes versetzen. Völlig verzaubert nach der einstündigen Führung taumelten wir aus dem Schloss zu einem Rundgang um das Anwesen. Nach einem erholsamen Spaziergang trotteten wir wieder zurück zum Auto.  Nun hatten wir uns ein Zeitpolster aufgebaut, da wir beide Attraktionen sehr früh besucht hatten. Gegen 13:00 Uhr setzten wir unseren Ausflug somit ohne Mittagessen und den verbleibenden Krümeln im Magen Richtung Osten fort.  Neues Ziel war die Nahe Minsk’ gelegene Stalin Linie. In der Dämmerung erreichten wir nach längerem Umherirren dann diese Attraktion. Jedenfalls ist diese im Gegensatz zum Strotchitsy Freilichtmuseum sehr einfach zu finden, da diese direkt an der Hauptausfallstraße Richtung Nordwesten liegt und gut ausgeschildert war.

Schon das Befahren des Parkplatzes stellte eine Herausforderung dar, da dieser ‚scharf’ bewacht wurde. Als nächstes sollten wir einen unerwartet hohen Eintrittspreis bezahlen, welchen wir um 50% reduzieren konnten auf Grund unseres Studententums.

Dafür bekamen wir aber eine persönliche Führung durch unterschiedlichste Bunker, Gräben etc. Man sollte sich davon selbst ein Bild. Gerade im Winter war dieser Besuch allemal sehr eindrucksvoll. Als dann das letzte Tageslicht entschwand, zogen wir uns zurück. Mit unseren Guide Andrej hatten wir uns sehr gut verstanden, auch nach der offiziellen Führung. Die Weißrussen waren stets nett und zuvorkommenden.

Für uns ging es durch die Nacht zurück nach Minsk. Die Scheibenspritzanlage versagte schließlich auf den letzten Metern und wir erreichten pünktlich die Autoabgabestelle von Sixt. Uns wurde sogar die kostenlose Möglichkeit eingeräumt am nächsten Tag mit dem Auto zum Flughafen zu fahren. Wir hatten uns aber schon für den Landweg entschieden.

Auf dem Landweg ging es auch von der Sixtbaracke in die Innenstadt, besser gesagt zum Unabhängigkeitsplatz. Denn das obligatorische Foto bei Nacht ist ein Muss (selbst Sixt wirbt mit dieser Ansicht).

Nach diesem anstrengenden Tag, zog es uns in die russische Interpretation eines Brauhauses. Nach einem Zwischenstopp in unserem Apartment führte unser Weg zur Metrohaltestelle Nemiga und dann direkt zum hinter der Plattenbaufront gelegenen Rakovsky Brovar in der Vityebskaya 10. Wir bestellten das hauseigene Bier und dazu eine Reihe an Speise. Wir waren zufrieden mit unseren Mahlzeiten und ließen die Bedienungen mit einer besonderen rechnerischen Herausforderung zurück, da wir uns unserer u.a. kleinen Scheine vor der Heimfahrt noch entledigen wollten.

Müde und gesättigt kehrten wir zu unserem Apartment zurück.



BREST 4. Tag


Brest liegt – für belorussische Verhältnisse – ganz weit im Westen. Und dennoch markiert es das Ende der Welt.  Abgeschottet und doch mittendrin. Hier hört die Eisenbahnwelt auf und es fängt die Welt des L. an...

Am Morgen unseres vierten Tages unter der weißrussischen Sonne brachen wir nach Brest auf. Um 8:38 verließen wir Minsk und erreichten pünktlich Brest Central um 12:42.  Die Fahrkarten kosteten umgerechnet nur 8 Euro pro Person im Kupe.

Wir wurden mit unermüdlichem Regen begrüßt und fühlten uns plötzlich weit weg vom russischen Winter im Novembergrau. Vergeblich vertrauten wir unserer Winterkleidung. Zusätzlich stocherten wir orientierungslos durch die Gegend auf der Suche nach DER Zitadelle. Um zwei durchnässte Schichten Kleidung reicher, gelangten wir zur Festung, welche unsere Stimmung aufgrund des trüben Regenwetters nicht erhellen konnte. Verlassene Monumente im Einheitsgraubraun. Aus dem Haupteingang der Zitadelle ertönen unermüdlich Kriegsgeräusche, welche uns zusammenzucken ließen. Doch genau diese Atmosphäre macht diesen düsteren Ort aus. Krieg und Frieden.

Für uns ging es danach zurück in die Innenstadt und dann flugs zum Bahnhof, um das verstaute Gepäck für Anna und Martin abzuholen. Daraufhin ging es für die beiden im Expressbus zurück in die Heimat.

Vanessa, Sebastian und ich (Tjark) verharrten in dieser Stadt der Gegensätze. Zuerst besuchten wir das ‘Jules Verne‘ und speisten auf höchsten Niveau. Das Ambiente war toll und das Essen sehr gut. Anschließend folgten wir dem Ruf des Bradt Reiseführers zum gegenüberliegenden ‘Pub House‘. Wir verköstigten bis in die Nacht verschiedene nationale Spirituosen und erkundeten die Altstadt bei Nacht.

Unser Zug 115 sollte in Brest am 24.12 um 2.40 Uhr abfahren. Wir waren leider nicht informiert, dass vorher die Passkontrolle stattfinden sollte. Nach sehr langem Suchen und falschen Beschreibungen einiger Leute erreichten wir die Passkontrolle erst um 2:30 Uhr. Diese befindet sich in einem separaten Gebäude östlich vom Hauptgebäude. Die Grenzpolizei war jedoch sehr freundlich und wir wurden schnell abgefertigt.  Gerade noch rechtzeitig erreichten wir den Zug. 2:42 Uhr konnte der Zug dann mit geringer Verspätung losfahren. Wir hatten Schlafwagenplätze ergattert. Nach kurzem Aufenthalt am Bahnhof Warschau Wschodnia verlief die Fahrt im eigenen 1.Klasse Abteil im Berlin-Warszawa-Express unspektakulär gut.

Ausgeruht erreichten Anna und Martin drei Stunden vor Plan ihren Heimatort.



RESÜMEE MINSK/WEIßRUSSLAND REISE


Ein toller Ausflug mit interessanten Einblicken in ein doch so verschlossenes Land. Neue Freunde und Lieblingsgetränke brachten wir zum Teil mit nach Hause.

So haben wir das noch nie gesehen – Bella Rus!



AUSGEHEN UND AUSPROBIEREN IN MINSK


     perfetto

Ein Toprestaurant ohne Fenster? Na klar geht das! Dieser Italiener ist eines der besten Restaurants der Stadt und verführt die Gäste mit tollen Drinks, gehobener Gastronomie und einem gelungenem, Lounge-Ambiente. Wir waren sehr zufrieden mit unseren Besuch und die fehlenden Fenster werden doch heutzutage durch LCD-Bildschirme und nette Bilder ersetzt. Tja, und hier durften wir die wahrscheinlich schnellsten Kellner erleben. Eine solche Aufmerksamkeit habe ich noch nie erlebt! Preise variieren zwischen 12.000 und 30.000 BYR  für ein Hauptgericht. Tschechisches Bier kostet rund 3 Euro für den halben Liter. Direkt an der Kreuzung Pobediteley Avenue und Nemiga Straße, gegenüber dem McDonalds.


     mcdonalds

Insgesamt fünf Filialen des Systemgastronomiegiganten bereichern die Stadt Minsk mehr oder weniger. Eine solche Filiale gilt als Hotspot für junge Menschen, die an einem Abend noch viel vorhaben. Für Peoplewatching ist ein solches Lokal in Osteuropa bestens geeignet. Auch die Portionsgröße variiert deutlich von den mitteleuropäischen McDonalds Standard Burgergrößen. Der Preis liegt trotzdem deutlich unter unserem Preis: zum Beispiel Big Tasty für 3500 BYR oder das Eis für 500 BYR. Der Cheeseburger kostet 1000 BYR.   


     falcone

Xavier Solana, Sarah Connor und Thomas Anders waren schon dort zum Speisen. Dresscode und ein übertriebenes Ambiente verzücken die Besucher. Zwar liegt dieses Edelrestaurant nicht direkt in der Innenstadt, aber die Suche lohnt sich. Das wohl beste Restaurant der Stadt! Befindet sich ganz in der Nähe des Perfetto.


     grunewald

Direkt an der Karla Marksa gelegen besticht diese Lokalität durch sein souveränes Interieur. Beste Küche in toller Umgebung machen Spaß!


REISEFÜHRER: BRADT BELARUS (ENGLISCH)

ONLINE: REISEN NACH BELARUS (TABIBITO.DE)



 

TEXT: TJARK METZNER

Рэспубліка Беларус